 der - mit Verlaub, Hans - für seine treuen Dienste auch
nicht besser belohnt wurde. Man sage mir nichts von dem Eigensinn, dem Trotz des
Burschen. Das eben ist zuweilen der Ausdruck der Kraft, mit der er sich durchs
Leben hilft und welcher auch der Stighof schon manches verdankt. Jetzt ist er
aus der ordentlichen Bahn geworfen, und die Unzufriedenen beginnen sich um ihn
zu versammeln, besonders arme Teufel, die dem Krämer wegen Verschuldung um einen
Sündenlohn arbeiten müssen, und alte Fremdler, die aus Frankreich noch einige
Brocken von 1789 mitgebracht haben.«
    »Dann kann am Ende noch hier die schönste Revolution erleben, wer alt genug
dazu wird«, bemerkte der Pfarrer.
    Den Doktor machte das Lächeln, welches diese Worte begleitete, etwas warm.
Er zwang sich zur Ruhe, indem er entgegnete: »Die Geistlichen verbieten nicht
nur den Ehebruch, schon der Kuss ist ihnen vom Übel. Sie mögen ihre Gründe dafür
haben wie ich die meinen, wenn ich es bedauere, dass man sich gegenseitig immer
zwingt, eher das Trennende als das Gemeinsame aufzusuchen und herauszukehren.
Davon der Kampf des selbstgewaltigen Reichen gegen den Trotz des Armen, der, von
jenem ein böses Beispiel nehmend, ihn weiter und weiter treibt. Elende Zustände,
wenn ein Mensch mit etwas Selbstgefühl sich nicht einmal als Bauernknecht
behaupten kann. Aber auch natürlich, denn zum Tragen hat Gott Tiere geschaffen.
Wer etwas mehr kann, sollte fort. O schade, dass so einer hier nie zum Studieren
kommt!«
    »Sie betrachten den Jos ja schon als einen verlorenen Mann.«
    »Ich rede nicht von ihm allein, sondern von jedem, der zu kräftig ist zum
Kriechen und zu gebunden, um frei zu gehen; ich rede von einem großen Teil
derjenigen, die jetzt ihr Elend am Schnapstische vertrinken.«
    »Das ist aber immer so gewesen«, meinte der Vorsteher.
    »Nein, das war anders, als ein Tag noch mehr wert war als ein Taglohn und
ein Mensch mit allen Gaben des Ebenbildes Gottes mehr als ein geerbtes oder
zusammengeschachertes Vermögen.«
    »Sie halten also den Taler doch nicht für den Gott der Welt?« fragte der
Pfarrer.
    »Er ist überall gerade das, wozu man ihn macht. Da belebt er den Verkehr und
bringt Segen, dort und hier ist er der größte Tyrann. Früher hieß der Mensch
seines Glückes Schmied, jetzt ist das Steuerbüchlein das Wanderbuch, welches uns
den Lebensweg, oft sogar die Mutter unserer Kinder vorschreibt.«
    »Das aber«, fiel der Pfarrer ein, »ist in der Welt draußen gewiss wenigstens
nicht besser.«
    »Drum hätte Jos studieren sollen. Wer fähig ist, die Kluft zwischen Arm und
