 Häuslichkeit schaffen, in der Ihnen so böse Gedanken gar nicht kommen
können. Freilich wird es sich ereignen, dass ich manche Falte auf der Stirne,
manch' finsteren Blick mit nach Hause bringe - die sind unausbleiblich in meinem
Wirkungskreise - aber dann ist ja eben meine Fee da, die sofort die Falten
verwischt und den Blick aufhellt ... Könnten Sie es wirklich über das Herz
bringen, Ihre eigene Liebe zu zertreten und einen Mann, dem Sie das höchste
Erdenglück zu geben vermögen, elend zu machen?«
    Felicitas war allmählich nach der Tür zugeschritten, sie fühlte ihre
moralische Kraft treulos werden dieser angstvollen Beredsamkeit gegenüber, und
doch musste sie fest bleiben gerade um seinetwillen.
    »Wenn Sie mit mir in Abgeschiedenheit und Einsamkeit leben könnten, dann
würde ich Ihnen willig folgen,« entgegnete sie, während sie hastig das
Türschloss ergriff, als sei es ihr letzter Halt. »Glauben Sie nicht, dass ich die
Welt selbst und ihr Urteil scheue - sie urteilt meist blind und einsichtslos -
aber im Verkehr mit ihr fürchte ich eben den Feind in Ihnen selbst. Dort gilt
eine respektable Herkunft sehr viel, und ich weiß, dass Sie darin mit der Welt
harmonieren ... Sie haben einen bedeutenden Familienstolz - wenn Sie ihm auch in
diesem Augenblick kein Recht einräumen - im Umgange mit solchen Bevorzugten wird
und muss Ihnen früher oder später der bedauernde Gedanke kommen, dass Sie viel,
sehr viel für mich aufgegeben haben.«
    »Das heißt also mit anderen Worten, wenn ich Sie besitzen will, dann muss ich
entweder meinen Wirkungskreis aufgeben und in einer Einöde leben, oder irgend
einen Flecken, einen unwürdigen Moment aus der Vergangenheit meiner Familie
aufzufinden suchen!« rief er gereizt und bitter.
    Eine jähe Röte stieg bei seinen letzten Worten in das Gesicht des jungen
Mädchens. Unwillkürlich glitt ihre Hand über die Falten ihres Kleides und
befühlte die scharfen Ecken des grauen Kastens, ob er auch sicher sei in seinem
Versteck.
    Der Professor durchmass in unbeschreiblicher Aufregung das Zimmer.
    »Das trotzige, unbeugsame Element in Ihrem Charakter hat mir bereits viel zu
schaffen gemacht,« fuhr er in demselben Tone fort, indem er vor Felicitas stehen
blieb, »es zieht mich an und erbittert mich zugleich; in diesem Augenblick
jedoch, wo Sie mit rauer Konsequenz mir meine Liebe vor die Füße werfen und
sich selbst zu einem so unnützen Opfer verurteilen, fühle ich geradezu eine Art
Hass, einen wilden Ingrimm - ich könnte es zertreten! ... Ich sehe ein, dass ich
für jetzt nicht um einen Schritt weiter mit Ihnen komme - aber Sie aufgeben,
daran denkt meine Seele nicht! ... Ihre Versicherung, dass Sie mich lieben, ist
für mich ein unverbrüchlicher
