 und es hat nie wieder etwas von ihm
verlautet, die andere Linie aber hing das Ritterschwert an den Nagel, und die
Nachkommen derer, die gegen die Saracenen gekämpft, die einst wohlgelitten waren
an Kaiserhöfen um ihrer Tapferkeit und adligen Sitten willen, sie griffen zu
Hobel und Pfrieme.
    »Du aber nicht, Joseph! Wie die prächtigen Locken über Deiner Stirn sich
eigenwillig ringelten und aufbäumten, so schweifte Dein Geist weit ab von der
engen Lebensbahn Deiner letzten Vorfahren; Du gingst Deinen eigenen Weg, ob Du
auch wusstest, dass er dornenvoll und steinig war, dass Mangel und Entbehrung an
Deiner Seite schreiten mussten; Du sahst nur das Ziel, das hohe, leuchtende Ziel,
und so viel Heldenmut endete schmählich in einer Dachkammer! Der Geist entfloh,
weil der Körper hungerte! ... Allmächtiger, eine Deiner herrlichsten Schöpfungen
ging unter aus Mangel an Brot!
    »Wer hätte an dies spurlose Verlöschen Deines Daseins gedacht, wenn Du mit
überzeugender Gewalt Deine neuen, kühnen, ursprünglichen Ideen entwickeltest?
Oder wenn Du am Klavier sassest und die wundervollen Harmonien unter Deinen
Fingern emporquollen? ... Es war ein armes, kleines Spinett, das in einer
dunklen Ecke Deiner elterlichen Stube stand; seine Töne klangen stumpf und rau,
aber Dein Genius beseelte sie, sie erbrausten in Sturm und Gewitter und malten
den lachenden Himmel über einer strahlenden Welt ... Weißt Du noch, wie Dein
guter Vater Dich belohnte, wenn er zufrieden mit Dir war? Da schloss er mit
feierlicher Gebärde eine kleine, uralte Spinde auf und legte Dir ein Notenheft
auf das Pult - es war die Operette von Johann Sebastian Bach; sein Großvater
hatte sie von dem Komponisten selbst erhalten und sie wurde wie ein Heiligtum in
der Familie aufbewahrt ... Sie fanden nicht einen Pfennig Geldes, nicht einen
Bissen Brot bei Dir, als Du heimgegangen warst, aber das Bachsche
Opernmanuskript, dessen materiellen Wert Du wohl kanntest, lag unangerührt,
unter meiner Adresse, auf dem Tisch.
    »Da drüben auf der Seite, genau auf der Stelle, wo ich jetzt schreibe, da
steht: Meine süße, goldlockige Kordula kam herüber im weißen Kleide, das war an
meinem Konfirmationstag, Joseph! Meine strenge Mutter hatte mir gesagt, es
geschehe zum letztenmal, von nun an sei ich die erwachsene Tochter des Kauf-und
Handelsherrn und mein Verkehr mit der Schusterfamilie schicke sich nicht mehr
... Deine Eltern waren nicht in der Stube und ich teilte Dir das Verbot mit ...
Wie wurde Dein Gesicht bleich unter den kohlschwarzen Locken! Nun, so gehe doch!
sagtest Du trotzig und stampftest mit dem Fuße auf, aber Deine Stimme brach und
in den zornigen Augen funkelten Tränen. Ich ging
