, seit ich Sie damals sah?
    Paul's schönes Antlitz hellte sich auf. Es war ihm eine Erleichterung, dass
Renatus sich von seiner Befangenheit loszumachen trachtete, und da er, wie alle
tüchtigen Menschen, trotz der Enttäuschungen, denen Niemand mehr als eben solche
unterworfen sind, doch immer wieder zum Glauben an den Menschen und zum Hoffen
auf das Gute in der Natur desselben geneigt war, sprach er freundlich, wenn auch
über die Art der Frage unwillkürlich lächelnd: Für Unsereinen, der mit seinem
Tun und Lassen auf sich selbst gewiesen ist, lässt sich eine solche Frage nicht
rundweg, nicht mit Einem Worte abtun. Indes ich darf wohl sagen: ich habe nicht
gefeiert! - Dann, als besorge er, den Freiherrn mit solch kurzem Bescheide
wieder in das frühere Unbehagen zurückzuwerfen, fügte er hinzu: Es sind nicht
allein die großen Unternehmungen, es sind eben so wohl die kleinen täglichen
Erfolge, welche uns vorwärts bringen; und das Wachsen, das Gedeihen vollzieht
sich überall in der Regel geräuschloser und weniger sichtbar, als das Zerstören
und das Zugrundegehen. Es liegt für den Dritten, für den Zuschauer daher
vielleicht kein besonderes Interesse darin, uns auf unserm Wege zu begleiten,
unserm immer gleichen und doch in sich sehr wechselreichen Arbeiten zuzusehen,
selbst wenn es, wie dies meist der Fall ist, mit den allgemeinen
Notwendigkeiten eng genug verbunden ist. Wir haben keinen Rang, keine äußeren
Anerkennungen, als diejenigen, welche das Urteil unserer Standesgenossen und
Mitbürger uns zu Teil werden lässt; denn jene Titel und Orden, welche der König
einem Gewerbtreibenden gelegentlich verleiht, zählen nicht vor den Tüchtigen und
Verständigen unter uns. Wir schaffen uns unsern Namen, unsere Stellung in der
kaufmännischen wie in der bürgerlichen Welt aus eigener Machtvollkommenheit.
Unsere tägliche Arbeit wird erst merkbar, wenn sie ihre Ernte getragen hat,
obgleich wir uns derselben stets bewusst sind und unserer Freude an unsern mit
tausendfachen Sorgen schwer errungenen Erfolgen nicht entbehren. Und da es uns
an Sorgen und Hoffnungen dabei durchaus nicht mangelt, so brauchen wir nach
Erregungen und Zerstreuungen nicht zu suchen, uns Lust und Pein nicht erst zu
schaffen. Das hat auch sein Gutes, besonders für denjenigen, der in der freien
Arbeit an und für sich schon seine wahre Befriedigung genießt!
    Er brach ab, weil er besorgte, mit der Schilderung seiner Zustände wider
seinen Willen ein Gegenbild zu denen des Freiherrn geboten zu haben; und in der
Tat lag in des Kaufmanns stolzer Selbstgenügsamkeit ein Vertrauen zu dem Leben
und in die Zukunft verborgen, um welches der Freiherr ihn beneidete. Er konnte
sich jedoch nicht überwinden, ihm dies auszusprechen, und ohne eine Bemerkung
auf Paul's Auseinandersetzungen hinzuzufügen, sagte er: Und Sie sind auch
verheiratet
