 nur mit Widerstreben in das Heer getreten, und die Zeitverhältnisse
hatten ihm in demselben zu bleiben geboten, obschon sein Sinn von Natur dem
Kriege eben so wenig als der strengen Disziplin geneigt gewesen war. Jetzt aber
waren das Heer, der Dienst ihm eine Zuflucht und ein Anhalt, jetzt bedurfte er
des königlichen Schutzes, der Gnade seines Herrn. Er wünschte, für sich und die
Seinigen die persönliche Gunst des Königs zu erwerben. Er hatte es in Frankreich
kennen gelernt, welche Vorteile es gewähren kann, sich in dem Kreise der
Gnadensonne zu bewegen, und wie er bei dem Beginne seiner Ehe voll der besten
Vorsätze für dieselbe gewesen war, so war er bei der Übernahme seines neuen
Amtes auch entschlossen, mit Selbstverläugnung ein unbedingt ergebener Diener
seines Herrn und Königs zu sein.
 
                                  Fünftes Buch
                                 Erstes Kapitel
Unser Leben würde sehr leicht sein, wenn wir uns an dem Tage, an welchem wir es
aus Überzeugung oder aus Notwendigkeit umgestalten wollen, nicht eben auf
demselben Boden befänden und auf ihm weiter gehen müssten, aus welchem unsere
ganze Vergangenheit erwachsen ist; es würde gar leicht sein, wenn unser neues
Gewand bei dem Fluge, mit dem wir uns emporzuschwingen denken, nicht hier an den
dürren Ästen eines alten Baumstammes hängen bliebe, den vielleicht einer
unserer Altvorderen gepflanzt und den rechtzeitig aus unserem Wege fortzuräumen
wir verabsäumt haben; wenn nicht dort Gestrüpp und Ranken, in deren Bereich wir
uns umhergetrieben, unsere freie Bewegung hinderten; wenn wir es allein mit uns
und mit der Zukunft, statt mit der Gesammteit, der wir angehören, und mit ihrer
und unserer ganzen Vergangenheit zu tun hätten. Das sollte der Major von Arten
an sich selbst erfahren.
    Allerdings fand er es in keiner Weise schwer, sich in seinem Regimente so zu
stellen, wie er es beabsichtigte. Man hatte ihn immer gern gehabt; er besaß
nichts von jener herausfordernden Selbständigkeit, welche einen Mann unbequem
für seine Vorgesetzten oder drückend für seine Untergebenen macht, und in einer
Zeit, in welcher in der Armee der militärische Geist und das Gamaschenwesen, im
Gegensatze zu dem bürgerlichen Geiste und dem auf den Universitäten noch nicht
unterdrückten Freiheitssinne, mit großer Geflissenheit begünstigt wurden,
konnten der Diensteifer und die peinliche Genauigkeit, mit welchen der Major von
Arten auch die kleinlichsten Dienstvorschriften zur Ausführung zu bringen
strebte, nicht unbeachtet bleiben. Dazu wollte es das Glück, dass einer der
königlichen Prinzen Inhaber des Regiments war, dass Renatus also seine Tätigkeit
unter dessen Augen entwickeln konnte und dass der Prinz selber ihn dem Könige mit
einem anerkennenden Worte vorzustellen sich geneigt erwies.
    Es war schon im Beginne der kalten Jahreszeit, als man zu Ehren eines von
seinen Reisen nach Russland zurückkehrenden Grossfürsten noch eine der großen
Paraden abhielt, welche sonst in diesen
