 nutzbar zu machen. Alles Vorhandene muss ihm dienen, weil auch er sich
allem Vorhandenen dienstbar macht; und der Handel wird es auch jetzt wieder
sein, der Kaufmann wird es sein, welcher jenen gewaltigen Erfindungen, welcher
der Benutzung der Dampfkraft, wie sie in England und Amerika schon jetzt im
Gange ist und wie wir sie in unserer Neudorfer Fabrik bald selbst anwenden
werden, jene Ausbreitung über den ganzen Erdball sichert, durch welche sich
Zustände und Verhältnisse entwickeln können, die wir noch kaum vorauszusehen
vermögen, obschon sie vielleicht eine ganz neue Zeit für die Menschheit
heraufzuführen geeignet sind.
    Er brach nachsinnend ab; aber die beiden Anderen, von Paul's Begeisterung
für seinen Beruf mit ihm fortgerissen, erwarteten schweigend, ob er nicht weiter
sprechen würde. Es war selten, dass er sich in solcher Weise gehen ließ, denn er
war durch seine große Tätigkeit gewohnt, sich in der Unterhaltung meist nur auf
das Tatsächliche zu beschränken, und es überraschte ihn selbst, als er so warm
geworden war.
    Es muss wahrhaftig hier in diesem Zimmer liegen! rief er wohlgemut, als
Herbert seine schöne Wärme pries. Als Knabe schwärmte ich hier für eine Zukunft,
die mir in nebelhaft wechselnden, aber stets sehr phantastischen Bildern vor den
Augen schwebte; nun, am erreichten Ziele, im Mannesalter schwärme ich für meinen
Beruf und sehe in neuen Nebelbildern eine neue Zeit für die ganze Menschheit
erstehen. Steinert begnügt sich doch wenigstens, mit einem Schöpfer gemeinsame
Sache zu machen; ich möchte schaffen aus eigener Gewalt, und wer ein Kaufmann in
großem Sinne sein will, muss in der Tat ein Stück Allwissenheit für sich zu
erringen trachten, denn wir sitzen vor allen Anderen, wie es der Dichter singt,
auch mit an dem sausenden Webstuhl der Zeit und wirken, wenn auch nicht der
Gottheit, so doch der Menschheit lebendiges Kleid.
 
                              Dreizehntes Kapitel
Am ersten Oktober sollte die Übergabe der beiden Artenschen Güter an ihre neuen
Besitzer vor sich gehen und gleichzeitig auch die Verpachtung von Richten an den
bisherigen Amtmann ihren Anfang nehmen. Das veranlasste den jungen Freiherrn, von
seiner künftigen Schwiegermutter die Festsetzung des Hochzeitstages in die
dritte Woche des Septembers zu begehren, und die Gräfin widersprach diesem
Wunsche nicht.
    Sie fand es natürlich, dass Renatus noch in der Kirche getraut zu werden
wünschte, so lange sie sein eigen war, und ihr selbst war daran gelegen, so bald
als möglich mit Hildegard zusammenzutreffen, die, aus dem Bade zurückgekehrt,
nicht füglich länger bei ihrer Freundin in dem Stifte verweilen konnte.
    Weil man es unter den obwaltenden Umständen in keiner Rücksicht angemessen
fand, eine große Feierlichkeit bei der Hochzeit zu veranstalten, hatte man keine
besonderen Vorkehrungen für dieselbe zu treffen. Renatus hatte seinen ältesten
Oheim,
