 ein, dem begreiflicher
Weise an der Erhaltung alles dessen gelegen war, was zur Zierde der Kirche
gereichte und mit ihrem Baue organisch zusammenhing; es ist keine schwere Last,
welche wir oder die Gemeinde mit der Erhaltung dieses Blumengärtchens auf uns
nehmen würden.
    Wir haben aber kein Recht, durchaus kein Recht, denen, die nach uns kommen
werden, eine Pflicht, wie leicht sie uns auch bedünken mag, aufzuerlegen, da sie
ihnen doch weniger leicht erscheinen könnte. Soll der Garten gepflegt werden, so
mag's geschehen, so lange wir die Herren der Güter sind, und ich für meine
Person habe keinen Grund, mich dem zu widersetzen. Aber was können unsere
Kinder, oder was werden diejenigen, die vielleicht nach diesen die Güter
erwerben, mit den Ewigkeitsgelüsten des Barons Renatus zu schaffen haben? Wir
haben kein Recht, willkürlich übernommene Gefälligkeiten als Verpflichtungen auf
Dritte zu vererben. Mag der Freiherr ...
    Du denkst als Kaufmann schon an den Verkauf der Güter, ehe wir sie noch
erworben haben, fiel Steinert ihm in das Wort, der wie ein rechter Landmann fest
an seiner Scholle hing; da freilich kann von Dauer oder gar von Ewigkeit auch
nicht die Rede sein, da ist nichts ewig!
    Paul lachte. Adam der Siebenundsiebzigste! rief er, schnell wieder heiter
geworden, den Freund an eine frühere Neckerei erinnernd. Aber beruhige Dich,
mein alter Freund, es gibt ein Ewiges, es gibt unumstössliche, ewige Wahrheiten;
nur dass gerade diejenigen, die für ihre Namen und für ihre Geschlechter und
Gebeine so gern auf die Ewigkeit vertrauen, von diesen ewigen, unumstösslichen
Gesetzen und Wahrheiten meist nicht gern sprechen hören und eben daran
untergehen.
    Was meinst Du damit? fragte Steinert, der trotz seines gesunden Verstandes
immer nur langsam dachte und langsam fasste.
    Es ist sicherlich eine ewige Wahrheit, dass zweimal zwei vier macht und dass
ich drei von zwei nicht abziehen kann! gab Paul ihm mit der früheren
Lebhaftigkeit zur Antwort. Ich habe diese unumstössliche und ewige Wahrheit schon
hier in diesem Zimmer einsehen lernen, als es noch dem alten Flies zum Laden
diente und die Neger und die Palmen und die Elephanten auf seinen Uhren und
Tafelaufsätzen mir eine kindische Sehnsucht nach den fernen Gegenden und
Weltteilen einflössten, in denen ich die Neger und die Palmen und die Elephanten
heimisch wusste. Aber was haben diese alten adeligen Geschlechter, die gleich den
Herren von Arten arbeitslos den Tag am Tage leben und dafür die Möglichkeit
einer ewigen Dauer erwarten, von jener ewig unumstösslichen Grundwahrheit
begriffen? - Nichts!
    Sie sind sehr streng, liebster Tremann! bemerkte Herbert, der um der Baronin
Angelika willen eine gewisse Vorliebe für ihren Sohn bewahrt hatte, welche
Steinert aus anderen Empfindungen und Erinnerungen
