 dem Lande ein reichliches Leben möglich zu machen und den Seinen ein
schönes Erbe zu werden. Wolle Renatus aber jetzt gleich den Dienst aufgeben, um
sich auf sein Stammgut zurückzuziehen, nun, so bleibe ihm nichts übrig, als den
Degen ehrlich mit dem Pfluge zu vertauschen, die Landwirtschaft gründlich als
einen Beruf zu erlernen, die Bewirtschaftung seines Gutes selbst zu übernehmen
und zu sehen, in wie weit es ihm gelinge, mit tüchtigen Gehülfen das Gut zu
heben und seine Bedürfnisse mit seinen Einnahmen in das Gleiche zu setzen, wobei
denn freilich auch auf die unüberlegten Ausgaben der Baronin Vittoria Rücksicht
genommen, und die Erziehung des jungen Freiherrn Valerio in eine andere Richtung
als bisher geleitet werden müsste.
    Renatus hatte ihm schweigend zugehört. Als Tremann dann geendet hatte,
dankte Jener ihm für diese gewiss sehr richtigen und höchst wohlgemeinten
Auseinandersetzungen und für seine Ratschläge; aber, sagte er, ich sehe und
fühle, wo der Punkt liegt, den Sie bei Ihren Planen für meine Unternehmungen
nicht in's Auge fassen und den ich unberücksichtigt zu lassen nicht im Stande
bin, ja, den ich, selbst wenn ich es über mein Gefühl vermöchte, nicht
unberücksichtigt lassen darf. Mein Onkel, Graf Berka, bemerkte mir gestern mit
Recht: dem Kaufmanne, dem bürgerlichen Gewerbetreibenden, Ihnen zum Beispiel,
habe alles, was Sie erwerben, nur seinen wirklichen Wert. Alles, was Sie
besitzen, ist Ihnen Geld, ist Ihnen Mittel zum Zwecke. Sie geben selbst den
erworbenen, liegenden Besitz mit voller Freiheit und ohne jegliches Bedenken
auf, sobald es Ihnen passt, und es ändert sich in Ihrem Sein damit nicht das
Geringste, wenn Sie ein Haus, ein Gut kaufen oder es verkaufen und wieder
zurückkaufen, wie der Anlass sich eben dazu bietet. Wir aber, wir befinden uns in
einer solchen Lage nicht. Unsere Verhältnisse sind völlig anders. Wir, sagte er
mit besonderer Betonung, wir sind durch langjährigen Besitz Eins geworden mit
unserem Grunde und Boden, mit unserem Lande und unseren Schlössern. Wir tragen
ihren Namen, sie sind unser Unterscheidungszeichen. Ein junger Baum - setzen Sie
ihn von seinem heimatlichen Boden fern, wohin Sie wollen - er kann auch in der
fremden Erde wachsen und gedeihen. Ein Stamm, der, weithin schattend, durch
Jahrhunderte seine mächtigen Wurzeln durch dasselbe Erdreich forterstreckte ...
    Geht aus, fiel Paul ihm in die Rede, wenn er den Boden ausgesogen hat, aus
dem er seine Nahrung schöpfte.
    Das ist wohl möglich, entgegnete Renatus mit einem Ausdrucke von Schwermut
in seiner Stimme, die der Andere an ihm noch nicht wahrgenommen hatte, das ist
möglich; aber es ist sicher, wenn Sie es unternehmen, ihn zu entwurzeln und ihn
zu verpflanzen.
