 er liebt Sie, Gräfin, dessen bin ich sicher!
    Sie konnte ihm nichts erwidern. Der Ausdruck der Verzweiflung und der
Liebe, mit dem sie zu ihm emporsah, drohte, ihn seiner Fassung zu berauben, und
sich vor ihr verneigend, sagte er so laut, dass die Anderen ihn vernehmen
konnten: Denken Sie daran, Gräfin, wir sprechen mehr davon!
    Dann wendete er sich zu den Übrigen, und auch Eleonore kehrte, wie hart ihr
das auch ankam, zu ihrer früheren Unterhaltung zurück.
 
                                Elftes Kapitel
Man trennte sich an dem Abende zeitig, weil einige der Gäste noch anderweitige
Einladungen hatten. Im Vorzimmer trafen der Abbé und Renatus zusammen. Der Abbé
machte die Bemerkung, dass das Wetter köstlich und dass es eigentlich eine Sünde
sei, eine Winternacht von so ungewöhnlicher Milde und Schönheit ungenossen zu
lassen, und da er Renatus ohne weiteres Vorhaben fand, schlug er ihm vor, ihn zu
begleiten und gemeinsam eine Strecke Weges zu machen.
    Der Freiherr verlangte es nicht besser. Er hatte die lange Unterredung
zwischen dem Geistlichen und der Gräfin mit Unruhe betrachtet, denn er war von
den obwaltenden Verhältnissen zu genau unterrichtet, um nicht zu vermuten, was
die unverkennbare Aufregung Eleonorens zu bedeuten und welchen Inhalt dieses
Gespräch der Beiden gehabt haben müsse. Auch stand er ihnen nahe genug, um,
sobald er sich mit dem Geistlichen allein auf der Straße befand, ohne Umschweife
die Frage zu tun, ob er sich irre, wenn er glaube, dass der Abbé mit ihrer
gemeinsamen Freundin von dem Heiratsplane gesprochen, den der König zu dem
seinigen gemacht habe und dessen nahes Zustandekommen jetzt die große
Angelegenheit des Hofes sei.
    Es ist eine traurige Angelegenheit, sagte der Abbé, und nie mehr als in
diesem Falle habe ich daran gedacht, wie verschieden die Wege der Prüfung sind,
auf welche der Herr uns führt. Er schritt eine Weile schweigend fort, dann
sprach er: Wenn man das Leben dieses ungewöhnlichen Mädchens sieht, seine
gottbegnadigte äußere Erscheinung, seine großen geistigen Mittel, den
fürstlichen Besitz, der ihm von Kindheit an zu eigen war, so fühlt man sich zu
dem Gedanken hingeführt, dass es dem Himmel gefallen habe, hier einmal ein
Menschenwesen mit allen Gütern des Lebens und des Glückes auszustatten, um ihm
den vollen, edlen Genuss des Daseins zu ermöglichen.
    Da er wieder in seiner Rede abbrach, meinte Renatus, dass die Gräfin doch
auch zu einer hohen und seltenen Reife und Entwicklung gelangt sei und wie ihr
zu ihrem Glücke ja auch nichts fehle, als dass sie eben dem Manne begegnete, dem
sie ihre Zukunft in liebendem Herzen anvertrauen könne.
    Wir sind nicht im Salon, mein teurer Freund! rief der Abbé mit einer Kälte,
welche den Andern
