 Überzeugung sich einem
großen Gedanken, einem die Welt umfassenden und über das Leben hinausgehenden
Zwecke hingegeben hat, der findet keinen Raum in sich für persönliches Wünschen,
der erlernt es, auch das Schönste und Begehrenswerteste nur als ein Mittel für
den einen großen Zweck zu betrachten, und alles, was ich meiner Phantasie
verstattet, was ich meinem Herzen zugestanden habe, als ich Sie in Ihrer von
Gott begnadigten Erscheinung mit Ihrem für das Große geschaffenen Sinne vor
meinen Augen Sich entfalten sah, war der Wunsch, der heiße Wunsch, Sie diese
großen Gaben nicht auf kleinliche und Ihrer selber unwürdige Weise verwenden und
verschwenden zu sehen. Eine Eleonore Haughton ist für die Gewöhnlichkeit des
Frauenlooses nicht geschaffen!
    Er hatte ihre Hand nach festem, männlichem Drucke freigegeben, als habe er
ihr nun alles gesagt, was ihr zu wissen nötig sei. Er sah sich nach seinem Hute
um; auch Eleonore hatte sich erhoben. Als der Abbé sich von ihr wendete, ließ
sie ihr Auge über seine Gestalt hingleiten, und sie gestand sich, dass er schön,
ja, dass er unter den Männern, die sie kannte, vielleicht der schönste sei. Wie
ein Lichtstrahl, hell und flüchtig, zuckte der Gedanke durch ihren Geist: warum
ist er nicht frei? warum trennt der Glaube ihn von mir? - Und in dieses Bedauern
mischte sich zum ersten Male in ihrem Leben ein Mitleid mit sich selbst. Sie
fühlte es, dass sie schon lange ihrer Erzieherin überlegen, dass sie stets sich
selber überlassen gewesen sei. Sie kam sich plötzlich einsam und des Rates sehr
bedürftig vor und als der Abbé sich von ihr entfernen wollte, sagte sie sich,
dass sie diesen Augenblick nicht vorübergehen, den Geistlichen nicht mit dem
Glauben scheiden lassen dürfe, dass sie kleiner und geringer sei, als er sie
geschätzt habe.
    Herr Abbé, hob sie an, eine Unterredung wie die, welche wir eben gehabt
haben, ist sicherlich keine gewöhnliche zwischen einem Geistlichen Ihres Alters
und einem Mädchen von meinen Jahren, das Sie als eine Ketzerin betrachten. - Sie
versuchte zu lächeln, aber sie war viel zu erschüttert, irgend etwas scheinen
oder darstellen zu können, was sie nicht empfand. Dem Abbé entging das nicht, er
behielt den Hut in der Hand und stützte sich auf die Lehne des Sessels, der sie
von einander trennte, während er sein Haupt leise neigte, um sie mit seinem
Blicke in ihren Mitteilungen nicht zu hindern.
    Sie wartete auf irgend eine Entgegnung von seiner Seite; da er eine solche
unterließ, sprach sie: Ich will Ihre Voraussetzungen gelten lassen, will nach
Ihrem Worte von mir annehmen, was ich oft in mir gefühlt zu haben glaube, dass
mein Sinn nicht unwert wäre, sich
