 vergönnen, Ihnen ruhig auseinander zu setzen,
in welcher Lage ich mich Ihnen gegenüber befinde, so werde ich Ihnen für das
Erstere von Herzen danken und bin ich zu dem Letzteren bereit.
    Der Abbé hatte bis dahin vor Eleonoren gestanden. Jetzt, als sei er ihrer
Zustimmung gewiss, rückte er einen Lehnstuhl für sie herbei, nahm einen Sessel
ihr gegenüber ein, und er sah dabei mit besonderer Genugtuung, wie die Mienen
der Gräfin sich geändert hatten, wie sie mit Spannung in seinem Antlitze zu
lesen strebte, was er ihr zu sagen haben könne.
    Es würde mir und meinem Amte übel anstehen, hob er nach kurzem Überlegen
an, wenn ich Ihnen aussprechen wollte, was die Gesellschaft der Sie umgebenden
Männer Ihnen täglich und unablässig wiederholt, dass Sie an Schönheit die anderen
Frauen überragen, dass der Mann glücklich zu preisen sein würde, dem es gelänge,
Ihre Liebe und mit dieser den Besitz Ihrer Person zu gewinnen. Aber ich trage
daneben kein Bedenken, Ihnen zuzugeben, was Ihnen, ich weiß es, von Seiten Ihrer
früheren Erzieherin und Ihres geistlichen Beraters ebenfalls oft genug
wiederholt werden mag, dass eine junge Frau von Ihrer ungewöhnlichen Begabung,
von Ihrer Selbständigkeit und von Ihrem großen und unabhängigen Vermögen der
Beachtung unserer Kirche nicht entgehen konnte. Wer überzeugt ist, die Wahrheit
zu kennen und zu besitzen, muss, wenn er kein Elender ist, sie mitzuteilen und
vor Allem diejenigen derselben teilhaftig zu machen wünschen, von denen er
erwarten darf, dass sie starke Zeugen für die Wahrheit werden können. Wer die
Herrschaft als ein ihm von Gott verliehenes Recht ansieht, muss nach den Mitteln
trachten, welche ihm das Herrschen möglich machen, und ich bin viel zu sehr von
dem heiligen Rechte unserer Kirche überzeugt, viel zu sehr von ihrer
alleinseligmachenden Kraft durchdrungen und von der erhabenen Aufgabe beglückt,
die mein Amt mir auferlegt, als dass ich anstehen sollte, Ihnen zu bekennen, wie
es mein heißer Wunsch, mein heißer Wunsch gewesen ist, eine Frau von Ihrer hohen
und eigenartigen Begabung, von Ihrem fürstlichen Vermögen - denn weltlicher
Besitz gibt Macht - in die Reihen unserer Bekenner eintreten, und Sie wo irgend
möglich früher oder später Sich zu der kleinen Schar der Auserwählten gesellen
zu sehen, welche die Welt regieren, weil sie wissen, was der menschlichen
Schwäche angemessen ist und wohltut.
    Er hielt inne und sagte dann mit einem leisen Seufzer, der seiner männlichen
Schönheit sehr wohl anstand: Ich habe, wie ich mit Beschämung erkenne, denn
eines Irrtums hat der reife Mann sich stets zu schämen, mich mit einer falschen
Hoffnung getragen, ich habe Sie nicht richtig beurteilt. Ihr Sinn ist weniger
groß, als ich mir's vorgestellt hatte; er verlangt nicht nach Herrschaft
