 jetzt nicht mehr
wie sonst behagen, ganz abgesehen davon, dass sich Ihnen in dem Heere doch eine
andere, eine vorteilhaftere und schönere Laufbahn dargeboten hat.
    Paul lächelte. Kennen Sie mich so wenig, lieber Werben? sagte er. Ich bin zu
sehr auf Tätigkeit gestellt, um jemals im Frieden einen guten Soldaten
abzugeben, und viel zu sehr an Unabhängigkeit gewöhnt, um ohne zwingende
Notwendigkeit auf dieselbe zu verzichten. Im Kriege war das etwas Anderes. Da
verlangte jeder Tag den ganzen Menschen, da brachte jeder Tag neue Aufregungen,
forderte rasche, selbstständige Entscheidung; man gelangte immer und immer
wieder, wie der Kaufmann das gewohnt wird, zu dem Bewusstwerden aller seiner
Kräfte und seines Einflusses auf Andere; man genoss in jedem Augenblicke die
Genugtuung irgend eines Erfolges, wie wir deren in unseren wohlberechneten und
darum wohlgelingenden Geschäften haben. Jetzt, seit den drei Wochen, seit denen
man mich aus dem Hospitale entlassen hat, werde ich meiner nicht mehr froh. Ja,
ich war in der Tat im Lazarete, fügte er scherzend hinzu, für mein Gefühl weit
besser daran, als jetzt, da ich wieder zu den Geheilten und Gesunden zähle; denn
das Kranksein, das Schmerzertragenmüssen war doch immer noch eine Art von
Arbeit, eine Art von Leistung. Und was die vorteilhafte Laufbahn anbetrifft, so
wüsste ich keinen Rang und keine Stellung in der Welt, die mich wünschenswerter
dünkte, als die eines völlig freien, unabhängigen Mannes.
    Es entstand eine kleine Pause. Der schlanke Lieutenant, der seit seinem
Ausmarsche aus der Heimat noch ein tüchtig Stück gewachsen war und dem das
Leben in den großen Städten eben so wohl gefiel, als er sich selber in der
Uniform, sah verlegen vor sich hin. Er hatte von seinem Vater in den letzten
Tagen sehr ähnliche Einwendungen hören müssen, als er seinen Wunsch geäußert
hatte, ganz im Kriegsdienste zu bleiben, während es Adam Steinert nicht zu Sinne
wollte, dass sein Aeltester ein anderes Gewerbe treiben sollte, als den Landbau,
bei dem die Familie hergekommen und gediehen war seit lieber, langer Zeit. Auch
der Oberst von Werben fand kein besonderes Behagen an seines Freundes
Äußerungen. Er hatte allerdings nach dem ersten unglücklichen Kriege durch eine
Reihe von Jahren das bürgerliche Kleid getragen und zu der Zeit, in welcher der
Kampf gegen Napoleon sich vorbereitete, es oft genug ausgesprochen, wie die
Kraft eines Volkes nicht in einem stehenden Heere, sondern in dem Selbstgefühle
und in dem Freiheitsbedürfnisse jedes Einzelnen im Volke beruhe; aber er war ein
geborener Edelmann, sein Vater und seine Voreltern hatten den Königen gedient,
auch er war mit sechszehn Jahren in das Heer getreten, und die erfochtenen
Siege, wie groß die Mitwirkung der Landwehr an ihnen auch gewesen war
