 des
Freiherrn sich in dessen Hause einzurichten. Sie habe, da Renatus' Verlobung mit
ihrer Tochter vor der Welt noch ein Geheimnis sei, die Besorgnis gefühlt, dass
man ihr die Absicht zur Last legen werde, eben diese Verlobung herbeiführen zu
wollen; indes Hildegard sei anderer Ansicht gewesen, und da diese ohnehin einer
Erholung bedürftig sei, weil sie sich in der Pflege der Verwundeten, deren Zahl
nach der Schlacht von Grossbeeren in den Berliner Hospitälern so furchtbar
angewachsen, Anstrengungen zugemutet habe, die weit über ihre Kräfte gegangen
wären, so habe die Gräfin sich nach reiflicher Überlegung zum Nachgeben
entschlossen und die nötigen Schritte zur Auflösung ihrer Verhältnisse in der
Residenz getan, wobei ihr Graf Gerhard mit gewohnter Zuvorkommenheit seine
Dienste angeboten habe. Sie fügte dann noch hinzu, dass sie, wenn sie ihre
ökonomischen Verhältnisse in das Auge fasse, Renatus für sein Anerbieten doppelt
Dank zu sagen habe, da ihr die Zinsen ihres geringen Vermögens jetzt nicht
regelmäßig eingingen; und die Zweifel, welche sie um die Sicherheit ihres
kleinen Kapitals aussprach, waren auch nicht dazu angetan, dem neuen Besitzer
der von Arten'schen Güter das Herz zu erleichtern. Noch hatte er nicht Frau,
nicht Kind, und schon lag, er mochte es ansehen, wie er wollte, die Sorge für
eine große Familie auf seinen Schultern. Denn an wen hatten sich Vittoria und
Valerio zu halten, als an ihn? Auf wen, als auf ihn, fiel einmal die Sorge für
Hildegard's Mutter und Schwester? Und diese Einsicht musste er gewinnen an dem
Vorabende einer großen Schlacht! - Sich zu trösten, sich die Seele zu befreien,
eröffnete er Hildegard's Brief.
    »Mein ewig Geliebter,« schrieb sie ihm, »es soll Ja und Amen heißen zu
Allem, was Du wünschest und angeordnet hast für jetzt und für alle Zeit! Was
könnte Deiner Braut in diesen Tagen, in denen sie Deine Seele von Trauer beladen
weiß, ohne dass sie zu Dir eilen kann, sie Dir tragen zu helfen, Heilsameres
begegnen, als an der Stelle zu weilen, an der Du geboren bist, als an dem Orte
zu leben, der künftig auch ihre Heimat sein wird und an welcher sie mit Dir
vereint das Andenken Deines edelen Vaters heilig in sich pflegen will.
    O, mein Renatus, Lieben, Glauben, Hoffen, das ist alles, was uns übrig
bleibt in den Tagen der Prüfung, in denen wir leben! Ich habe Stunden gehabt, in
denen ich mich mit Zweifeln plagte, mit Zweifeln, ob Dein Vater mich jemals gern
willkommen heißen würde; mit immer neuen Zweifeln sogar an Dir, denn ich meinte,
wäre Deine Liebe der meinigen gleich, so hätte keine Rücksicht der
