 Magd, wie teuer sie dem Freiherrn auch
gewesen war, in den Adern eines Mannes mit dem Namen derer von Arten fließen
könne, die auf die Reinheit ihres Geschlechtes und auf die Bedeutung aller ihrer
geschlossenen Verbindungen von jeher den höchsten Wert gelegt hatten. Paul's
Anerkennung einzuleiten, so lange Renatus noch am Leben war, daran dachte der
Freiherr natürlich nicht, aber wer konnte es ihm zusichern, dass er selbst noch
leben und im Stande sein würde, Verfügungen zu treffen, wenn in den nächsten
Monaten einmal die Nachricht von Renatus' Tode nach Richten anlangte? Und wie
war es in diesem letzteren Falle zu verhindern, dass das von Arten'sche Erbe an
Valerio, an den Sohn der Ehebrecherin fiel? Wie war es zu machen, dass sein Blut,
sein Name nicht untergingen? - Tage und Tage verstrichen, und seine Qualen
minderten sich nicht.
    Rastlos wie ein irrer Geist wandelte der Freiherr in seinen Gemächern umher;
angstvoll den Ereignissen des Krieges folgend, immer bange vor der Möglichkeit,
den Tod seines Sohnes und Erben zu erfahren, und doch ohne die eigentliche
Vaterliebe für diesen Sohn, auf dessen Erhaltung seine teuersten Hoffnungen
gerichtet waren, und ohne alle freudige Teilnahme an den beginnenden Erfolgen
und Siegen des Volkes, in dessen Mitte und für dessen Befreiung die beiden Erben
seines Blutes ihr Leben in die Schanze schlugen.
    Mit jedem Fortschritte, den die Waffen der Verbündeten erfochten, mit der
aufjauchzenden Freude des Landes und des Volkes über die ersten Siege derselben
wuchs die innere Vereinsamung des Greises. Er hatte nichts gemein mit den
Gefühlen der Verbrüderung und der Erkenntnis der menschlichen Gleichheit, welche
die Zeit der Not in dem Volke begründet und die Gemeinsamkeit des Kampfes und
der Gefahr in den Herzen der Edelsten wenigstens für diesen Augenblick
festgestellt hatten. Er gehörte nicht zu denen, welche die Neuerungen gut
hießen, die der König und seine Regierung vor dem Ausbruche des Krieges
unternommen hatten und deren Ausdehnung und Entwicklung verheißen worden und
nach erfolgtem Siege erwartet wurden. Wie auch die Würfel des Krieges fallen
mochten, er sah kein Heil in der Zukunft, und doch hing er am Leben, doch wollte
er mit seinem Willen bestimmend in die Zukunft hinüberreichen.
    Es war schon im Beginne des Sommers und die Spuren des furchtbaren
französischen Rückzuges aus Russland fingen in den preußischen Ostprovinzen sich
zu vermindern an, als man in Rotenfeld endlich daran denken konnte, die Kirche,
welche durch viele Monate zum Hospitale gedient hatte, zu reinigen und dem
Gottesdienste wiederzugeben. Aber als die letzten Kranken sie verlassen hatten,
wurde man erst recht gewahr, wie schwer sie gelitten hatte und dass man einer für
die gegenwärtigen Verhältnisse nicht unbedeutenden Summe bedürfen würde, sie nur
einigermaßen herzustellen. Es konnte nicht die Rede davon
