 rief der Kaplan mit festem, innig
vertrauendem Glauben. Ja, ich hege die Zuversicht, dass Reue, dass büssende und
zugleich fruchtbar tätige Reue eine Erlösung in sich verbürgt! Wollten Sie sich
in dumpfem Schmerze der Erinnerung an das von Ihnen verschuldete Unglück
überlassen, so würde damit sicher Nichts geholfen, Nichts gebessert sein. Aber
wenn Sie die Möglichkeit der erlösenden Versöhnung nicht nur auf sich selbst
beziehen, wenn Sie dieselbe zugleich als eine Aussöhnung mit dem eigenen
Bewusstsein betrachten; wenn Sie sich sagten, ein Mädchen, das mich liebte, ist
untergegangen durch mich, dafür soll das Weib, das ich mir erwählte, um so
glücklicher werden; wenn Sie mit Selbstvergessenheit für die Frau, für die
Familie zu leben versuchten, welche sich um Sie her bilden wird, wenn Sie die
Seelen, welche die Vorsehung Ihnen anvertraut, im Glauben und in Heiligung
erziehen - mich dünkt, mein Freund, das würde so viel Licht über Ihr Dasein
ausbreiten, dass davor die Schatten, welche jetzt Ihr Leben umdüstern, allmählich
weichen können. Gebet und Reue sind erlösend, wenn sie eine Selbsterkenntnis und
ein Gelöbnis, zugleich demütig und mutig sind.
    Der Kaplan hielt inne, denn der Baron hatte sonst immer eine große Ungeduld
bewiesen, wenn sein geistlicher Freund ähnliche Gespräche oder ähnliche
Erörterungen herbeizuführen gesucht hatte. Heute war das anders. Es tat ihm
wohl, die Stimme des Freundes und seinen ermutigenden Zuspruch zu hören, denn
sie waren milder, als sein eigenes Gewissen, und fast bittend sagte er: Sie sind
nicht zu Ende, enthalten Sie mir Nichts vor, mein Freund!
    Was könnte ich noch hinzufügen, entgegnete der Kaplan, das nicht in dem
Gesagten schon enthalten wäre, das Ihr eigenes Herz Ihnen nicht kund gibt? Jede
Sünde ist eine Verfehlung gegen das Gute und gegen das Recht! Machen Sie sich
von diesen Verfehlungen frei, stellen Sie sich als Sünder Ihrem Schöpfer, als
tadelloses Familienoberhaupt, als tadelloser Gutsherr den Menschen gegenüber,
und ich zweifle nicht, dass sich zwischen diesen beiden Polen für Sie der Weg und
die Mittel zu einer Befreiung Ihres Herzens und Ihres Gewissens finden lassen
werden, dass Sie eines Glückes teilhaftig und einer dauernden Zufriedenheit
fähig werden können, von der Ihre Vergangenheit Ihnen noch kein Bild gegeben
hat!
    Der Freiherr atmete auf. Er richtete sich empor, er sah die Möglichkeit vor
sich, wieder erhobenen Hauptes zu leben, da er den Vorsatz hegte, sein Haus im
Geiste des Christentumes aufzubauen. Er konnte in diesem Augenblicke selbst an
Pauline wieder denken, ohne die herzzerreissenden Gewissensbisse zu empfinden,
welche ihm seit ihrem Tode keine Ruhe mehr gelassen hatten. Er versank noch
einmal in ein tiefes Sinnen. Der Kaplan, dessen innere Wahrhaftigkeit in diesem
Falle die
