 Aussprüche seines
Oheims immer mehr betroffen.
    Ihr jungen Leute seid übel daran! hob Jener, der bestimmten Antwort
ausweichend, auf das Neue an. Man hat Eure Kindheit, Eure Jugend mit dem
Gedanken der Vaterlandsliebe genährt und hat Euch als den würdigen Gegenstand
einer solchen Liebe das Preußen des großen Friedrich, den von einem großen
Könige gegen alle natürlichen Bedingungen zusammengebrachten und nur durch sein
Genie, durch seine Herrscher- und Feldherrnkraft erhaltenen Staat, hingestellt.
Aber die gewaltsame Schöpfung eines Genius ist jetzt durch den größeren Genius
naturgemäß und eben so gewaltsam zerstört. Vor der Gewalt und Größe eines
Napoleon konnte die junge Monarchie des alten Fritz, vor dem weltumfassenden
Blicke, vor dem weltumgestaltenden Geiste und Willen dieses titanischen Kaisers
kann die alte Weltordnung nicht bestehen, und wie unter den Stürmen des
Frühlings die letzten Blätter an den alten Bäumen verstieben, damit Raum werde
für die neue Schöpfung eines neuen Jahres, so müssen die bisherigen
Staatsverhältnisse zu Grunde gehen, damit der riesige, durch alle Zeiten
wiedergekehrte und endlich sich seiner Verwirklichung nahende Gedanke eines
Weltreiches, einer Universal-Monarchie, wie Alexander und Cäsar und Karl der
Große sie vorahnend gedacht haben, zur Wahrheit werde! Sich mit
Gefühlsüberspannung an das Untergehende anzuklammern, mag dem zukunftslosen
Alter ziemen; die Jugend hat sich dem Neuen, dem Werdenden anzuschließen, und
wer Leben, wer Tatkraft in sich fühlt, wer sich eine Zukunft zu eröffnen hat,
muss sich dienend dem siegenden Prinzipe unterordnen!
    Der Graf hatte sich in Feuer gesprochen, wie dies kalterzigen und
gesinnungslosen Menschen leicht geschieht, die, wenn sie Andere überreden
wollen, vor Allem sich selber überreden müssen, und also beständig einen
doppelten Zweck zu erfüllen, einen doppelten Kraftaufwand zu machen haben. Er
war weder geistreich noch tiefsinnig, aber er hatte Phantasie und Bildung genug,
sich fremde Meinungen, sobald es ihm gefiel, anzueignen, und es waren die
Gedanken des Gastes, der ihn eben erst verlassen hatte, es war die
Anschauungsweise der französischen Gesellschaft, in welcher Graf Gerhard sich
bewegte, die er seinem Neffen zur Beherzigung empfahl.
    Renatus bildete jedoch fast in allen Stücken den Gegensatz zu seinem Oheim,
und ihn zu verwirren war nicht leicht. Seine Phantasie war nicht lebhaft, indes
innerhalb des nicht weiten Kreises, den er überschaute, sah er klar genug, und
seine Schüchternheit im Verkehr mit Anderen machte ihn vorsichtig, wie sein
Misstrauen gegen seine eigene Einsicht ihn gewissenhaft gegen sich selber sein
ließ.
    Es war nicht das erste Mal, dass der junge Baron die Ansichten, welche der
Graf an den Tag legte, von einem Preußen aussprechen hörte. Man konnte sie von
allen denjenigen vernehmen, die, auf den Pfaden des Grafen gehend, ihrer zur
Selbstentschuldigung bedurften. Sie verfehlten an sich
