 Zersplitterung, in der
Knechtschaft und in den Banden Napoleon's war Deutschland frei geworden von
jener französischen Sklaverei, zu welcher es sich so lange selbst verdammt
hatte. Französische Sprache, französische Mode und französische Sitten waren dem
vor der Revolution flüchtig gewordenen Adel entgegen gekommen, wo immer er sich
in Deutschland hingewendet. Eine Begeisterung für die in Frankreich
durchgesetzte Neugestaltung der Staatsverhältnisse hatte von vielen Seiten die
ersten republikanischen Siege der Neu- diesseit des Rheines begrüßt; aber auch
diese Zeiten waren vorübergegangen. Der deutsche Geist war zum Selbstgefühl
erwacht; an dem Hasse gegen den Übermut der fremden Vergewaltiger hatte sich
die lange niedergehaltene Liebe für die Muttersprache und für das gemeinsame
Vaterland entzündet.
    Überall, wo deutsche Herzen schlugen, wo deutsche Hände die Saat auf den
Feldern des Landes ausstreuten und deutscher Fleiß sich in Gewerb und Handel
bewegte, hatte man das Unheil der französischen Herrschaft zu tragen. Die
Kriegszüge, welche sich vom fernen Westen und vom Süden Europa's bis an die
östlichsten und nördlichsten Grenzen Deutschlands ausdehnten, sie hatten überall
Not und Elend im Gefolge gehabt, aber eben die gemeinsame Not hatte die
Menschen näher zusammengeführt. Die Vernichtung, die Entbehrung äußerer Güter
hatte erkennen gelehrt, was Jeder in sich selbst besitze und welche Quellen der
Erhebung und des tröstenden Genusses dem Menschen aus der Beschäftigung mit dem
Gedanken erwachsen können; und wie es bei solch völliger Umgestaltung der
Verhältnisse nicht anders zu erwarten war, hatte eine neue Verteilung des
allgemeinen Vermögens sich vorbereitet und war teilweise schon ausgeführt.
    Das Geld war selten geworden und im Werte gestiegen. Wer Geld besaß, konnte
viel damit erwerben, wer Geld bedurfte, musste es unverhältnissmässig hoch
bezahlen; während also das Vermögen des Kaufmannes in den Städten mitunter in
überraschenden Verhältnissen emporstieg, ward der Wohlstand des Landmannes, des
Gutsbesitzers eben so oft verringert oder gar vernichtet, wo die großen
Heeresmassen des Eroberers sich über die Länder wälzten.
    Preußen vor allen anderen Ländern hatte die Gewalt der Ereignisse fühlen
müssen. Erst nach mehrjährigem Aufenthalte in den fernen Ostsee-Provinzen war
der flüchtig gewordene König wieder mit seiner Familie in seine Hauptstadt
zurückgekehrt; aber die ganz zerstückelte Monarchie stand nichts desto weniger
tatsächlich noch völlig in Napoleon's Gewalt. Die ungeheure Kriegsschuld, die
von Napoleon verhängte Kontinentalsperre, wie die durch ganz Europa, so weit es
ihm gehorchte, angeordneten großen Rüstungen brachten Not und Drangsale aller
Art hervor, indes sie hinderten die Völker nicht, zur Selbsterkenntnis zu
erwachen. Der König wie jener bessere Teil des Adels, der das Unglück der Jahre
achtzehnhundert und sechs und achtzehnhundert und sieben nicht mit herbeigeführt
und sich fern gehalten hatte von der Erniedrigung vor dem Eroberer, vor Allen
aber der gebildete Bürgerstand hatten begreifen gelernt, was Jedem im Einzelnen
fehle, was Allen
