 ersten
Kaisers nichts mehr übrig geblieben; aber die in der Revolution zur Geltung
gekommene Erkenntnis der menschlichen und bürgerlichen Gleichheit hatte in den
Geistern eine zu tiefe Wurzel geschlagen, um so schnell wie die politische
Freiheit vernichtet werden zu können. Der Zauber, welcher die alten adeligen
Geschlechter umgeben, war in jener Zeit für das scharfe Auge des Bürgerstandes
in Frankreich erloschen, und weder die von Napoleon ernannten Fürsten und
Herzoge, noch jener Teil des alten französischen Adels, der sich an den Thron
des neuen Kaisers herandrängte, weil er im Dienen, gleichviel, wem er diente,
seinen Vorteil und seine Ehre fand, waren dazu angetan, die frühere Geltung
des Adels wieder zu erzeugen. Von einer abtrennenden Gliederung der
Staatsangehörigen in drei Stände konnte ebenfalls nicht wohl die Rede sein,
nachdem der sogenannte dritte Stand das Ruder des Staates jahrelang in seinen
Händen gehabt hatte und seit der Sohn eines corsicanischen Advokaten der Welt
Gesetze vorschrieb. Die Verehrung des angestammten historischen Adels war in
eine Verehrung der Macht übergegangen, und wenn damit der sittliche Gehalt der
Menschen und der Zeit auch nicht eigentlich gehoben wurde, so waren der
Verehrung doch weitere Grenzen gesteckt, seit dem Verehrenden sich die Aussicht
eröffnete, auf den mannigfachsten Wegen sich selbst zu einem Machtaber und
damit zu einem Gegenstande der Verehrung zu erheben. Das militärische Genie, der
Gelehrte, der Künstler, der Gewerbtreibende fanden dabei gleichmäßig ihre
Rechnung, und was für Napoleon in den Herzen des Volkes, das er unterjochte,
dessen Steuerkräfte er übermäßig in Anspruch nahm und dessen Söhne er
unaufhörlich zur Schlachtbank führte, am allermeisten sprach, das war die
Erinnerung, wie er selber aus den Reihen des Bürgerstandes hervorgegangen,
Kinder des Volkes zu Königen und Fürsten erhoben hatte, und wie er in seiner
Person die Verkörperung dessen darstellte, was der Ehrgeiz des Genies zu
erreichen wünschen musste und jetzt zu erreichen hoffen konnte.
    Eben so groß als der Wechsel der Zustände, der sich in Frankreich innerlich
und äußerlich ereignet, war die Wandlung gewesen, welche sich in Deutschland
durch die Nachwirkung jener ungeheuren französischen Revolution im Bewusstsein
und in der Empfindungsweise der Menschen vollzogen hatte. Seit mehr als
anderthalb hundert Jahren blind der Bewunderung des französischen Geistes,
knechtisch der Nachahmung französischer Sitte und Mode untertan, war schon vor
dem Beginne der französischen Revolution mit dem Auftreten Lessing's, Goethe's
und Schiller's der Mahnruf an die Deutschen ergangen, sich ihrer eigenen Macht
und Bedeutung, sich ihrer eigenen Abstammung und Größe zu erinnern; und was die
Kraft, was die befreiende Erhabenheit dieser Heroen begonnen, das vollendete die
napoleonische Tyrannei, deren eiserne Schwere sich stärker und stärker auf
Deutschland herabsenkte. In Blut und Tränen, unter dem Drucke der
Fremdherrschaft, in der willkürlich über ihm verhängten
