 seine
Würde nirgends so völlig behaupten könne, als auf seinem Grund und Boden; dass er
einen großen und schönen Teil seiner Standesvorrechte opfere, wenn er sich
hinter die Mauern der Städte zurückziehe und in die Nähe der Höfe begebe, und
obschon er von Natur gesellig war, hatte sein Hang zu völliger, selbstbestimmter
Freiheit ihn das gesonderte Leben auf dem eigenen Hofe immer als einen Vorzug
betrachten machen. Jetzt dünkte es ihm angenehm, der Nähe und der Berührung mit
der stumpfen Masse des niederen Volkes möglichst enthoben zu sein, und sein
ästetischer Widerwille gegen dessen Rohheit schlug, ohne dass er sich dessen
klar bewusst war, in jene auf das bessere Blut begründete aristokratische
Geringschätzung des Volkes um, das ihm gehörte und aus dessen Arbeitskraft er
die Möglichkeit zu seiner freien, edelmännischen Selbstbestimmteit und Willkür
schöpfte.
    Er war unzufrieden mit Allem, was ihn umgab, er meinte immer und immer aufs
Neue zu erkennen, dass er sich auf falschem Wege befunden, dass er nicht genug
Zucht gehandhabt, dass er in gütiger Lässigkeit überall zu viel freies Belieben
um sich her bestehen lassen; denn das freie Belieben des ungebildeten und
unreifen Menschen begann ihm, je schärfer er die Verhältnisse ins Auge fasste,
immer entschiedener als die Quelle alles Übels zu dünken, und während er in
seiner warmherzigen und glückverlangenden Jugend daraus den Schluss gezogen haben
würde, dass man mit allen möglichen Mitteln danach streben müsse, der Unbildung
durch Verbreitung von Aufklärung ein Ende zu machen, meinte er jetzt
verdüsterten Sinnes aus seinen eigenen Erfahrungen zu erkennen, dass der einzelne
Mensch und vor Allem die große Masse durch Güte nicht zu gewinnen und der
bildenden Erziehung nicht zugänglich sei, dass man ihr also keine Freiheit
verstatten dürfe, wenn man sich und sie selber nicht der Gefahr eines
gefährlichen Missbrauchs dieser Freiheit aussetzen wolle.
    Immer geneigt, in Allem, was ihn persönlich betraf, an eine gewissermaßen
sichtbare Einwirkung der Vorsehung zu glauben, schien es ihm ein Fingerzeig des
Himmels zu sein, dass diese Erkenntnis sich ihm eben durch einen gegen seinen
Kirchenbau verübten Frevel neu bestätigte. Er war gegen denselben in den letzten
Jahren gleichgültig geworden, er hatte selbst oft gewünscht, ihn nicht begonnen
zu haben; nun, da der Bau sich so stattlich erhob, dass er seine künstlerische
Lust neben der Besitzesfreude daran hatte, nun wurde er durch ein von der wüsten
Rohheit begangenes Verbrechen daran gemahnt, dass die Masse des Zügels und der
Zucht nicht entbehren könne; und dass diese ihr unerlässliche Zügelung ihr von dem
protestantischen Pfarrer nicht angelegt worden sei, dafür meinte er die Beweise
jetzt zur Genüge erhalten zu haben.
    Während er eben so erbittert als schwermütig im Laufe des Tages und noch
spät am Abende im vertrauten Gespräche mit der Herzogin seine Seele von ihrem
Kummer
