, als ob der Unfall, den ich erlitten hatte, sie zur Besinnung
brächte. Ein paar Frauen in meiner Nähe riefen meinen Namen, sprangen mir bei,
versuchten mich zu schützen. Ich redete ihnen zu, verlangte ihre Hilfe für die
Unglückliche, der Anblick der Sterbenden erschreckte die Sinnlosen und brachte
einen Stillstand in ihre wilde Aufregung. Diesen benutzte der Justitiarius. Er
nannte sie Verbrecher und verlangte die Auslieferung des Mörders. Sie hatten
nicht daran gedacht, dass sie ein Verbrechen begangen, dass sie einen Mord verübt
hatten; sie schwankten, ob sie dieses Bewusstsein durch neue Untat in sich
übertäuben, ob sie sich durch neue Wildheit über ihr Erschrecken fortelfen oder
sich aus Furcht zerstreuen sollten.
    Da haben Sie das Volk, rief der Freiherr mit bitterem Hohne, da haben Sie
das Volk, dessen Menschenrechte man anerkennen, dem man Freiheit und Gleichheit
zugestehen, dem man Anteil an der Regierung des Landes zuerkennen soll! Rohe,
wilde Bestien, nur durch Zwang zu bändigen, durch Strenge und Gewalt in den
Schranken der Menschlichkeit zu erhalten! - Das sind die Freiheitshelden, die
jenseit des Rheines ihr Wesen getrieben haben - Kirchenschänder und Mörder! Aber
so wahr Gott lebt, ich denke es ihnen gründlich zu verleiden!
    Ja, sagte der Kaplan, sie bedürfen der Zucht, sie können der Führung, der
Leitung nicht entbehren und werden dies jemals schwerlich können. Aber soll das
Messer für die Tat einstehen, die man mit ihm verübt? Soll die bildungslose
Masse dafür einstehen, dass man also die freie Gleichberechtigung der Culte
ausübt? Soll ein armer, irregeleiteter Bauernbursche es entgelten, wenn man von
den Kanzeln des Landes unsere heilige Kirche schmähen darf? Soll es ihm
hingehen, dem unreifen jungen Manne, dem lutherischen Kandidaten, dass er sich
auflehnte gegen das Gesetz seines Landes, gegen den Willen seines Königs, der
unsere Gewissensfreiheit und unsere freie Religionsübung so gut wie die der
Andersglaubenden zu schützen hat? Wollen Sie es dulden, dass dieser freche
anmassende Mensch Ihren Entschließungen, Ihrem freien Willen auf der Kanzel Ihrer
eigenen Kirche entgegentritt? dass er Ihre Leute zur Beurteilung Ihrer
Handlungen aufreizt, dass er sie zu Ihren Richtern macht? - Ich für meinen Teil
habe gleich getan, was meines Amtes war. Ich habe noch an demselben Tage dem
Fürstbischof einen Bericht der Vorgänge eingesandt. Ich habe ihn aufgefordert,
bei der Regierung Beschwerde über den Angriff zu führen, der durch den
Kandidaten gegen unsere freie Religionsübung vollführt ist, und es müsste keine
Gerechtigkeit im Lande mehr zu finden sein, wenn uns unser Recht, und dem
Gottard nicht das seinige werden sollte.
    Es war selten, dass der Kaplan sich also lebhaft äußerte, und dem Freiherrn
fiel es daher auf. Er hatte in
