 Sie würden also, das sehe ich,
sich in Frankreich auch zu den Geistlichen gehalten haben, die den Eid auf die
Verfassung leisteten! rief er vorwurfsvoll.
    Ganz gewiss! entgegnete der Kaplan.
    So hatte die Herzogin doch Recht, sprach der Freiherr wie zu sich selbst;
aber die Worte entgingen dem Ohre des Geistlichen nicht und sie klärten ihn über
die Wege auf, welche die Herzogin eingeschlagen hatte, um ihm den Freiherrn
abgeneigt zu machen; auch ließ dieser ihn darüber nicht im Ungewissen.
    Es bewegt mich sonderbar, nahm der Baron nach kurzem Schweigen im Tone
ruhigster Unterhaltung und Betrachtung wieder das Wort, zu sehen, wie wenige
Naturen sich dem mächtigen Strome der Zeit entgegensetzen, wie Wenige sich ihrem
umgestaltenden Einflusse entziehen. Sie nannten sich vorher einen einsamen Mann.
- Sie sind nicht einsam in der Welt, die uns umgibt, mein lieber Freund, denn
Sie haben die große Menge für sich, die überall zusammenhält, überall für sich
Zugeständnisse begehrt, überall zum leicht errungenen Gemeingut machen möchte,
was unser altes, wohl erworbenes Erbe ist. Ich tadle Sie nicht, hob er nach
flüchtiger Unterbrechung seiner Rede wieder an, wenn Sie in sich die Kraft nicht
fühlen, gegen einen solchen wilden Strom zu schwimmen und sich seinem
fortreissenden Zuge zu widersetzen. Aber haben Sie sich wohl jemals gefragt,
wohin dieses Nachgeben Sie führen wird, oder haben Sie geglaubt, bis hieher, bis
zu uns, könnten die Fluten des Unheils nicht dringen, welche in dem
unglücklichen Frankreich Thron und Kirche, das Leben des edelsten Königspaares
und das Leben all der Tausende von Märtyrern der guten Sache in sich begraben
haben? Es ist gar zu verlockend für die rohen Massen, zügellos zu sein und keine
Gewalt über sich anzuerkennen, als die eigene blinde Willkür. Sie haben den
König ermordet, den Adel seines Besitzes, seiner Rechte beraubt und das Blut
vergossen, dessen erhabene Herkunft sie auch damit nicht zu vernichten
vermochten; sie haben die Kirche aufgehoben und sich bis zum Wahnsinne der
Gottesleugnung erhoben ....
    Und die Kirche erhebt sich wieder unter dem Schutze Gottes, und das eigene
Bedürfnis wird die von ihrem Hochmut Verblendeten wieder, Rettung vor sich
selber suchend, zu den Füßen des Gekreuzigten führen! Es geht nichts unter, was
unsterblich ist, und wandelbar in seiner Form, erhält das Ewige sich
unwandelbar! rief der Kaplan, während die Innigkeit seiner Überzeugung sein
würdiges Antlitz erleuchtete. Nicht uns dem Strome widersetzen können wir, denn
er ist mächtiger, als der Wille des Einzelnen, und mächtiger, als das
Zusammenhalten und Entgegenstemmen Vieler. Aber zu einander stehen sollen wir
Alle dennoch in Liebe, damit wir uns erhalten in der Zeit der Not, damit wir
eine Gemeinschaft bilden
