, der durch Bildung und Achtsamkeit zur
Natur gewordenen Form nicht entbehren, und es entzückte den Freiherrn, als er
plötzlich gewahr wurde, dass Angelika, bestochen von der Anmut der Herzogin,
sich selber nicht mehr genügte, dass sie in neuer Weise ihm zu gefallen bemüht
war, weil sie selbst ein lebhaftes Wohlgefallen empfunden hatte.
    Er sagte ihr verbindlich, dass die kleine Koquetterie sie reizend mache, sie
versicherte, dass er das Vergnügen, sie reizend zu finden, der Herzogin verdanke,
und von Wort zu Wort, von Scherz zu Scherz fortgetragen, fanden die Eheleute
sich in eine Art der Unterhaltung und in eine geistreiche Heiterkeit versetzt,
wie sie nie zuvor zwischen ihnen Statt gefunden hatte. Als Braut war Angelika zu
schüchtern dafür gewesen, und nach ihrer Verheiratung zu kummervoll. Dann hatte
die Richtung auf das Religiöse sie gefangen genommen, und obschon der Baron sich
in diese Richtung hineinziehen lassen, ja, zu Zeiten selbst Trost und Beruhigung
aus ihr geschöpft hatte, so waren doch die alte Gewohnheit und Neigung des Welt-
und Lebemannes nicht in ihm erloschen, und der Gedanke, dass Angelika zu ernst,
zu streng, zu unjugendlich sei, war in ihm häufig aufgestiegen.
    Er kam sich selbst verjüngt vor, und er schien auch Angelika jünger und
liebenswürdiger, als sonst, da er sich in dem ihm natürlichen Tone freier
Heiterkeit bewegen durfte, so dass er ihr aussprach, wie ihr Frohsinn ihn nicht
nur um seinetwillen, sondern auch um ihres Knaben wegen freue.
    Ich habe wirklich oftmals besorgt, sagte er, Deine ausschliessliche
Hinwendung auf das Ernste und Erhabene könne unserem armen Renatus, wenn er uns
heranwächst, sein junges Leben trüben; und wenn ich mir vorstellte, dass mein
Sohn, dass ein Arten ohne Freiheit, ohne Heiterkeit, ohne ein wenig Übermut und
Tollheit, ohne die es nun einmal bei Unsereinem nichts werden kann, erzogen
werden sollte, so habe ich wohl bisweilen den sündhaften Wunsch gehegt, Du
möchtest unbedeutender und harmloser sein, und daran gedacht, den Kaplan zu
entfernen, wie hart mir das auch angekommen wäre. Denn ....
    Denn Renatus geht Dir über Alles, schaltete Angelika ein, welche in der
Stimmung war, selbst solche Äußerungen ihres Mannes, da sie mit lachender Lippe
und zärtlichem Auge gesprochen wurden, unbefangen aufzunehmen.
    Ja, wiederholte der Baron, Renatus geht mir über Alles. Ist er nicht der
Träger unseres Hauses und Dein Sohn?
    Sie waren damit in das Nebengemach gegangen, in welchem das Kind in seiner
Wiege schlief, und als die Wärterin die Gardine zurückschlug, damit die Eltern,
wie sie es an jedem Abende taten, den Kleinen noch einmal betrachten konnten,
neigte sich die Mutter zu ihm hernieder, küsste
