 für sich gehofft hatte, als er die
Zusage von Angelika's Hand erhalten; und die Besitzesfreude, welche sich in ihm
und in seiner Frau geregt, als sie in der Erwartung eines Erben von der Residenz
auf ihre Güter zurückgekehrt waren, hatte jetzt, da der Knabe trefflich gedieh,
erst ihre volle Kraft für beide Eltern gewonnen, eine Kraft, die sie zu rüstigem
Schaffen, zum Säen, Bauen und Erhalten antrieb.
    Alles, was man bisher geplant und gewünscht hatte, nahm man jetzt in Angriff
und wollte man schnell vollenden. Man bedurfte jener Entsagung nicht, mit
welcher der Besitzlose sein Tagewerk bewältigt, weil seine Vernunft ihm sagt,
dass die Leistung eine für das Allgemeine und darum auch für ihn selber
geforderte sei, wennschon er vielleicht nicht dazu berufen ist, ihre Frucht
ausgiebig zu genießen. Man befand sich in der glücklichen Lage, mit dem Herzen
schaffen, sich und den Seinen da eine Genugtuung, einen Erfolg, eine
Glücksvermehrung sichern zu können, wo der weniger Begünstigte eine Pflicht
erfüllt; und bei Allem, was man vornahm, erhöhte der Gedanke, dass es Renatus und
seinen Kindern einst zu Gute kommen werde, den Eifer und den Aufwand, mit
welchem man zu Werke ging.
    Vor Allem war es natürlich die Gründung des Gotteshauses, welche der Baronin
am Herzen lag, und da man an der Schwelle des Winters den Bau nicht mehr hatte
in Angriff nehmen können, so beschäftigte man sich an den langen Abenden nur
noch mehr mit den Planen für denselben. Dem Freiherrn erwuchs daraus eine
vielseitige Anregung und Beschäftigung. Kunstliebend und prachtliebend wie er
war, wollte er nicht nur einen dauerhaften Bau hinstellen, sondern zugleich in
dieser Kapelle etwas Ansehnliches und Schönes schaffen, und auch die Baronin
wünschte, dass das katholische Gotteshaus, welches man auf den Gütern begründete,
schon in seiner äußeren Erscheinung jenen zugleich Ehrfurcht erweckenden und
freundlich entgegenkommenden Charakter an sich tragen sollte, welchen sie in dem
Geiste des Katholizismus für sich so beglückend kennen gelernt hatte. Man zog
Baumeister, Bildhauer und Maler zu Rate, ließ Zeichnungen und Kupferstiche
kommen, änderte bald Dies, bald Jenes an dem ersten Plane, bis über dem vielen
Sehen und Vergleichen des Bedeutendsten und Schönsten der erste Entwurf, welcher
auf eine hübsche Kapelle, auf ein mässiges Gotteshaus angelegt gewesen war, mehr
und mehr zusammenzuschrumpfen und den Erbauern kleinlich zu dünken begann.
    Erst hatte man sich gesagt, dass man, weil man keinen Turm zu errichten
beabsichtigte, die Kapelle mit einer würdigen Fronte ausstatten, dass man ihr
eine angemessene Größe geben, sie mit einigen Säulen und einer Statue von außen
schmücken müsse, und dass man ihr innen die Zierde eines guten Bildes über dem
Altare nicht versagen dürfe. Nach einiger Zeit
