 alles, was ich habe und bin, mit
meiner Liebe einst dem Manne hinzugeben gehofft, der mich zu seiner Gattin
nehmen würde! Und sich jetzt sagen zu müssen, dass ich dies alles, dass ich diese
große, diese umfassende Liebe, dass ich die tiefste Verehrung meines Herzens
einem Manne entgegenbrachte, der mit kaltem Auge auf mich herniedersah, dem ich
nichts, nichts gewesen bin, als der Gegenstand einer Berechnung, und der, als
ich in Liebe zu seinen Füßen niedersank, es vielleicht bedachte, was mein Besitz
dem Orden wert sei, in dessen Dienste er sich meiner zu bemächtigen wünschte
... - Sie brach noch einmal ab und sagte dann nach einer Pause wie im
Selbstgespräche: Das denkt keines Menschen Seele aus!
    Doch, rief Paul, der ihr achtsam zuhörend gefolgt war, doch! Und Seba's Hand
ergreifend und schüttelnd, sagte er: Fragen Sie Seba, ob sie es nicht
nachzudenken vermag, ob sie nicht Gleiches, ob sie nicht Schwereres erduldet
hat! Und sie hat sich aufgerichtet in sich selbst, dass sie die Stütze und die
Zuflucht aller derer geworden ist, die einer starken und geduldigen Liebe für
sich nötig haben! Was ist Ihnen denn geschehen, was haben Sie denn erlitten und
erlebt?
    Die Gräfin sah ihn betroffen, ja, mit Erstaunen an. Es ist wahr, fuhr er
fort, Sie haben ein großes, ein schönes Kapital von Liebe falsch angelegt, das
ist aber auch Alles! Sie haben Sich in dem Manne betrogen, dem Sie es
anvertrauten, und nur Sie, nicht er, tragen die Schuld davon! Sie sahen das
Kleid, das er trug, Sie kannten die Grundsätze der Gemeinschaft, der er
angehört! Wer hieß Sie der eitelen Verlockung nach Herrschaft nachgeben, mit der
er zuerst verführend an Sie herantrat? Nicht er, Ihr Stolz hat Sie verleitet,
die Freiheit, deren Sie nach allen Seiten hin genossen, gegen die Unfreiheit zu
vertauschen, die Ihnen Herrschaft über Andere und die blinde Unterordnung
Anderer als ein Glück vorspiegelte! Nicht Ihre Liebe für den Abbé allein, Ihr
Hass gegen Ihre Tante, ja, die ganze müßige, selbstsüchtige Abgeschlossenheit, in
der Sie, wie Sie es mir geschildert haben, lebten, haben Sie dem Abbé in die
Arme getrieben! Und jetzt, da Sie ihn kennen, jetzt wollen Sie aus falschem
Ehrgefühl hingehen, Sich in einem Kloster zu verbergen? Sie wollten auch jetzt
noch nach jener hochmütigen Selbstbefriedigung suchen, die Sie der Erde und
Ihren Mitmenschen entfremdet? Wie können Sie nur daran denken, noch länger ein
Dasein zu führen, welches in unserer Zeit und bei unseren Erkenntnissen nicht
mehr wert ist, dass man's lebt? - Er
