 Geduld und Nachsicht Anderer bedarf, ich würde das
Letzte verlieren, was mir den Mut gibt, die Augen aufzuschlagen, wenn ich von
hier gehen wollte, bevor ich mit dem Schlossherrn dort oben abgerechnet habe. Ich
bin kein Weltmann, der gelernt hat, seinen Zorn hinter einem höflichen Gruß zu
verbergen.«
    »Wer solche Abrechnung sucht,« warnte Raschke, »muss auch die Mittel haben,
den Gegner dabei festzuhalten, sonst mag eine neue Demütigung werden, was
Genugtuung sein soll.«
    »Diese Genugtuung gesucht zu haben bis zum Äußersten,« versetzte Werner,
»auch das ist Befriedigung.«
    »Werner,« rief der Kollege, »ich will nicht hoffen, dass Ihr erregter Zorn
Sie hinabzieht in die gedankenlose Rachsucht der Schwachen, welche ein rohes
Spiel mit dem eigenen Leben und dem des Andern Genugtuung nennen.«
    »Er ist ein Fürst,« sagte der Professor mit finsterem Lächeln, »ich trage
keine Sporen, und der letzte Versuch, den ich mit meiner Kugelform anstellte,
war Nüsse darin zu quetschen. Wie mögen Sie mich so verkennen? Aber es gibt
Forderungen, welche deutlich ausgesprochen sein wollen, damit sie zur Tat
werden. Noch wohnt in dem Wort eine heilende Kraft, wenn nicht für den, der die
Rede hört, doch für den, der sie spricht. Ihm sagen muss ich, was ich von ihm
heische. Er mag zusehen, wie er das Wort hinunterwürgt in sein freudloses Herz.«
    »Er wird weigern, Sie zu hören,« warf Raschke ein.
    »Ich werde suchen, ihn zu sprechen.«
    »Er hat der Mittel viele, Sie zu hindern.«
    »Er gebraucht sie auf seine Gefahr, denn er nimmt sich dadurch den Vorteil,
den er hätte, mich ohne Zeugen zu hören.«
    »Er wird das ganze Rüstzeug gegen Sie in Bewegung setzen, das ihm seine hohe
Stellung gibt, er wird seine Gewalt rücksichtslos gebrauchen, Sie zu bändigen.«
    »Ich bin kein schreiender Wahrsager, der den Cäsar auf offener Straße
anfällt, um vor den Idus des März zu warnen. Dass ich weiß, was ihn demütigt vor
sich selbst und seinen Zeitgenossen, das ist meine Waffe. Und ich versichere
Sie, er wird mir Gelegenheit geben, sie zu gebrauchen, wie ich will.«
    »Er verreist,« rief Raschke ängstlicher.
    »Wohin kann er reisen, wo ich ihm nicht nachkomme?«
    »Ihn wird die Besorgnis, welche Sie in ihm erregen, zu finsterer Tat
treiben.«
    »Er wage sein Aergstes, ich will tun, was mir Frieden gibt.«
    »Werner,« rief Raschke, die Hände erhebend, »ich darf Sie
