,« rief der Professor, »und Sie hatten
ein Recht dazu, Sie fühlten den Stolz Ihrer Wissenschaft und Sie kannten wohl
Ihren hohen Beruf. Sie wussten sehr gut, dass auch Sie, der demütige Magister,
Teil hatten an dem Priesteramt und an dem Fürstenamt in unserm Reich. Kein
Purpur ist edler und keine Herrschaft ist machtvoller als die unsere, wir führen
die Seelen unseres Volkes aus einem Jahrhundert in das andere, unser ist die
Pflicht, über seinem Lernen zu wachen und über seinen Gedanken. Wir sind seine
Vorkämpfer gegen die Lüge und gegen die Gespenster aus vergangener Zeit, welche
noch unter uns wandeln, mit dem Schein des Lebens bekleidet. Was wir zum Leben
weihen, das lebt, und was wir verdammen, das vergeht. Von uns werden jetzt die
alten Tugenden der Apostel gefordert, gering zu achten, was vergänglich ist, und
die Wahrheit zu verkünden. Sie waren in diesem Sinn geweiht wie Jeder von uns,
Ihr Leben verpflichtet Ihrem Gott. Auf Ihnen lag, wie auf uns allen,
Verantwortung für die Seelen unserer Nation. Sie haben sich dieses Amtes unwert
gemacht, und ich traure, ich traure, armer Mann, dass ich Sie davon scheiden
muss.«
    Der Magister fuhr in die Höhe und sah flehend zu dem Gelehrten auf.
    Der Professor redete nachdrücklich: »Mein ist die Pflicht, dies
auszusprechen gegen Sie und gegen Andere. Was Sie damals an meinem Amtsgenossen
getan, was Sie noch von ähnlichen Versuchen bereitet haben, das darf kein
Geheimnis bleiben. Die Ehrlichen müssen gewarnt werden vor der Kunst, welche zu
üben ein Dämon Sie getrieben hat. Aber in der letzten Stunde, wo Sie vor mir
stehen, fühle auch ich, dass ich zu wenig getan, Ihnen Hilfe gegen die
Versuchung zu geben. Ohne bösen Willen habe vielleicht auch ich zuweilen
missachtet, was wertvoll in Ihnen war für Andere, auch ich habe wohl vergessen,
wie schwer die Arbeit des Tages auf Ihnen lag. Hat meine Härte Sie je gedrückt
und verbittert, so büsse ich heut dafür. Denn als ich kurzsichtiger, irrender
Mensch beförderte, was Sie herausheben sollte aus äußerer Bedrängnis, da lud ich
eine Mitschuld auf mich, dass Sie hier der Versuchung auf's Neue verfielen. Das
ängstigt mich schwer, Herr Magister und ich fühle wie Sie die Qualen dieser
Stunde.«
    Magister Knips saß erschöpft und zusammengekauert auf der Truhe, der
Gelehrte stand über ihm, und seine Worte sanken wie Schläge auf des Magisters
Haupt. »Ich darf nicht verschweigen, Herr Magister, dass Sie ein Fälscher sind,
Sie dürfen nie wieder in unserm Kreise sich lebendig rühren, Ihre Laufbahn als
Gelehrter ist durch Ihr Verbrechen geschlossen, Sie sind unserer Wissenschaft
verloren,
