 den Arm gestützt,
sie sah traurig vor sich hin.
    »Meine teure Fürstin hört dergleichen nicht zum ersten Mal aus meinem
Munde. Oft habe ich um die Gefahr gesorgt, welche Ihnen ein hochfliegender Geist
und die behende Einbildungskraft bereiten, das Wiegengeschenk einer neidischen
Fee, welche Ew. Hoheit zu glänzend und verführerisch machte. Denn diese
herrliche Begabung trägt die Schuld, dass Sie keine vornehme Natur sind, wie Ihr
erlauchter Bruder, der Erbprinz. Zu lebhaft ist das Bedürfnis, sich geltend zu
machen und auf Andere zu wirken. Den Bruder durfte man mit vollem Vertrauen
seiner guten Art überlassen, jedes Einreden in seine Seele war bei dem
vielgeplagten Kinde vom Übel. Die reiche Künstlernatur aber, welche mit so
großen Augen auf mich sieht, habe ich stets vor einer feinen Koketterie der
Empfindung zu schützen gesucht. Ich bin jetzt ein harter Mahner an hohe
Pflichten, weil ich Gefahren ahne, welche diese eroberungslustige Seele über
sich und Andere heraufbeschwört.«
    »Ich höre aus liebevollen Worten einen harten Vorwurf,« erwiderte die
Prinzessin gehalten. »Ich soll mich vermählen - um vornehm zu werden.«
    »Meiner lieben Hoheit wünsche ich, dass sie dieses große Ziel erreiche als
Hausfrau eines Gemahls, der Ihrer Hingabe nicht unwert ist. Nur auf diesem Wege
darf eine Fürstin wahres Glück erwarten. Auch dies Glück wird nicht ohne
Entsagung erworben, ich weiß es, Jedem ist schwer, sich selbst zu beschränken,
wer im Purpur geboren ist, übt diese Tugend zehnmal schwerer als ein Anderer.
Verzeihung,« fuhr er fort, »ich bin geschwätzig geworden, wie uns Alten vom Hofe
zuweilen begegnet.«
    »Nicht zu viel hat mir mein Freund gesagt, noch zuwenig,« rief die
Prinzessin bewegt. »Mir ist der Gedanke lieb geworden, still vor mich
hinzuleben, umgeben von Männern, die mich das Höchste lehren, was eine Frau zu
erwerben vermag. Auch auf diesem Wege finde ich zarte Pflichten, edle Bande,
welche mich mit den Besten vereinen, auch ein solches Leben ist einer Fürstin
nicht unwert; mehr als eine hat in früherer Zeit dies Loos gewählt, und die
Nachwelt denkt ihrer mit Achtung.«
    »Ew. Hoheit meint nicht Königin Christine von Schweden,« versetzte der
Obersthofmeister. »Aber auch anderen war solche Wahl selten zum Heil. Denn Ew.
Hoheit erwäge, wenn eine Fürstin sich mit weisen Männern umgibt, sie meint dabei
immer einen Mann, der ihr der weiseste ist.«
    Die Prinzessin schwieg und sah vor sich hin.
    »Wir haben lange der Fürstinnen gedacht,« begann der alte Herr, »man darf
auch das Schicksal der Männer beachten, welche durch zarte Bande an das Leben
einer erlauchten Frau geschlossen werden.
