 das
geistvolle Spiel mit schönen und großen Interessen vermag einer Frau das Leben
zu stören. Leicht hängt sich Schwärmerei an den feinsten geistigen Genuss, mehr
als einmal ist ein Weib gerade da in der größten Gefahr gewesen, wo sie, von
außen kräftig angeregt, sich höher, freier, edler fühlte als sonst. Es ist
schwer, eine entzückende Musik zu hören und dem Künstler, der sie uns
geschaffen, warme Teilnahme zu versagen.«
    Die Prinzessin sah vor sich nieder.
    »Gesetzt den Fall,« fuhr der Obersthofmeister fort, »dass ein Kranker in
galliger Laune so grübelte und für solchen Zweck handelte, die Gesunde würde
sich wohl hüten, ihm den Willen zu tun.«
    »Sie würde sich aber auch nicht stören lassen in dem, was sie für Ehre und
Reichtum ihres Lebens hält,« rief die Prinzessin, zu dem Alten aufsehend.
    »Gewiss nicht,« versetzte dieser, »wenn solche Güter in der Tat durch die
spielende Hingabe einer Frau an Kunst oder Wissenschaft zu erwerben sind. Am
schwersten wird eine Fürstin dabei Befriedigung finden. Niemand verdenkt einer
Frau aus dem Volke, wenn sie eine große Begabung zum Lebensberuf macht; vermag
sie, als Sängerin oder Malerin sich zu befriedigen und Anderen zu gefallen, so
lacht ihr alle Welt freudig entgegen. Wenn aber meine gnädigste Prinzessin ihre
schöne musikalische Anlage benutzen wollte, öffentliche Koncerte zu geben,
weshalb würden die Menschen darüber die Achseln zucken? Nicht, weil Ew. Hoheit
Talent geringer ist als das einer andern Künstlerin, sondern weil man Ihrem
Leben andere Aufgaben zuteilt. Die Nation stellt an ihre Fürsten sehr bestimmte
ideale Forderungen. Wenn leider den fürstlichen Herren unserer Zeit nicht leicht
wird, diesen Idealen zu entsprechen, für die Frauen der erlauchten Geschlechter
macht die ernste Richtung der Gegenwart dies eher möglich als in meiner Jugend.
Eine Fürstin unseres Volkes soll das edle Vorbild einer guten Hausfrau sein,
nichts mehr, nichts Anderes. Treu und wohltuend und fest gegen ihren Gatten,
sorgfältig in den Pflichten des Tages, warmherzig gegen Bedürftige, gütig und
teilnehmend gegen Alle, denen der Vorzug wird, ihr zu nahen. Hat sie Geist, sie
soll sich hüten zu glänzen, hat sie Talent für die Geschäfte, sie soll sich
wahren, eine Intrigantin zu werden. Sogar die schöne Meisterschaft geselliger
Tugenden wird sie mit größter Bescheidenheit üben. Wohlgewogenes Gleichgewicht
der weiblichen Vorzüge ist der beste Schmuck einer Fürstin, ihre höchste Ehre,
dass sie liebenswerter und besser ist als die Andern, ohne dass man darüber
erstaunt, in Allem gut und tüchtig, nach keiner Richtung anspruchsvoll. Denn sie
steht zu hoch, um für sich zu begehren und zu erobern.«
    Die Prinzessin saß neben dem Sprechenden, das Haupt auf
