 werde. Vertrauen Sie nicht, dass
ich Ruhe und Sammlung, wie Sie der Arbeiter bedarf, mir in veränderter Stellung
bewahrte, und mein Missbehagen über innere Störungen würde auch meiner Umgebung
fühlbar sein. Schmeichelnd tönt der neue Ruf mir in das Ohr. Aber selbst wenn
ich hier für mein Haus und meine Privatverhältnisse Alles hoffen dürfte, was dem
Leben Behagen gibt, ich müsste doch da verharren, wo ich meiner Persönlichkeit
nach am besten nütze. Ich habe heut die Überzeugung nicht, dass mir dies hier
gelingen würde.«
    Die Prinzessin sah betrübt vor sich hin. Immer noch klangen von draußen die
Tritte der Männer, welche die Handschrift von aufgehäuftem Schutt befreiten.
    »Und doch,« fuhr der Professor fort, »wenn uns das Glück wird, die
Handschrift zu finden, so werden viele Tage, vielleicht viele Jahre meines
Lebens durch eine neue Aufgabe in Anspruch genommen, welche so groß ist, dass ich
dann meine Amtstätigkeit als eine Last empfinden dürfte. Dann hätte ich das
Recht zu fragen, in welcher Umgebung ich für dieses Werk am besten gefördert
werde. Für diesen Fall würde mir auch das Recht zu Teil, die Akademie für
längere Zeit zu verlassen. Finde ich nicht, so wird mir doch sehr schwer werden,
von hier zu scheiden, meine Seele wird noch lange ruhelos um diese Stätte
schweben.«
    »So lasse ich Sie nicht frei,« rief die Prinzessin, »ich höre nur die Worte
Pflicht und Pergament. Gilt Ihnen denn gar nichts die Neigung, welche wir Ihnen
entgegentragen? Vergessen Sie in diesem Augenblick, dass ich eine Frau bin, und
betrachten Sie mich als einen warmherzigen Knaben, der hingebend zu Ihnen
aufsieht, und der nicht ganz unwert ist, dass Sie an seiner Seele Anteil
nehmen.«
    Der Professor sah auf den Schüler, der vor ihm stand und kein Weib sein
wollte. Die Fürstin hatte nie verführerischer ausgesehen, er blickte auf die
geröteten Wangen, auf die Augen, welche so herzlich an seinem Antlitz hingen,
und auf die roten Lippen, die vor innerer Bewegung zuckten. »Meine Schüler
sehen sonst anders aus,« sagte er leise, »und sie sind gewöhnt, strengere Kritik
auch an ihrem Lehrer zu üben.«
    »Ertragen Sie einmal,« rief die Prinzessin, »dass Sie in einem empfänglichen
Gemüt reine Bewunderung finden. Ich habe Ihnen früher gesagt, wie wertvoll mir
ist, Sie zu kennen, ich bin keine Kaiserin, welche ein Reich regiert, und ich
will Ihre Kraft nicht verwenden für meine Geschäfte. Aber ich würde für ein
hohes Glück halten, Ihrem Geiste nahe zu sein, die edlen Worte aus Ihrem Munde
zu hören. Ich fühle die Sehnsucht, das Leben mit
