Wissen Sie
auch, dass ich uneigennützig bin, wenn ich Ihnen helfe, die Handschrift zu
finden? Solange Sie suchen, gehören Sie uns. Haben Sie den Schatz gehoben, dann
ziehen Sie sich in ihr unsichtbares Reich zurück und uns bleibt das Nachsehen.
Ich habe Lust, die übrigen Kammern des Hauses vor Ihnen zu verschließen und nur
Jahr um Jahr eine zu öffnen, bis Sie sich ganz zu uns gewöhnt haben.«
    »Das wäre grausam nicht nur gegen mich,« versetzte der Professor.
    Die Prinzessin trat ihm gegenüber. »Ich spreche nicht eitle Worte,« sprach
sie schnell in verändertem Tone. »Der Fürst wünscht, dass Sie sich bei uns
ansiedeln. Bergau hat Auftrag, über Äußerlichkeiten, welche Ihren Entschluss
nicht bestimmen werden, mit Ihnen zu verhandeln. Wenn ich dieselbe Bitte
ausspreche, so folge ich meinem eignen Herzen.«
    »Sehr unerwartet tritt diese Forderung an mich,« entgegnete der Gelehrte
erstaunt. »Mein Brauch ist, dergleichen still und in verschiedenen Stimmungen zu
erwägen, ich bitte Ew. Hoheit, in dieser Stunde keine Antwort zu fordern.«
    »Ich kann Sie Ihnen nicht ersparen,« rief die Prinzessin. »Denn ich möchte
in meiner Weise selbst um Sie werben. Sie sollen Amt und Tätigkeit sich hier so
frei wählen, als unsere Verhältnisse gestatten, man will Sie in aller Weise
auszeichnen und jeden Wunsch, dessen Befriedigung in der Macht des Fürsten
steht, erfüllen.«
    »Ich bin Universitätslehrer,« erwiderte der Professor, »ich bin es mit
Freude, nicht ohne Erfolg. Mein ganzes Wesen, der Gang meiner Bildung weisen
mich auf diesen Beruf. Die Rechte und Pflichten, welche mein Leben umschließen,
halten mich mit festen Banden. Ich habe Schüler, ich stehe mitten in dem Werk,
das ich in ihre Seelen schreibe.«
    »Sie werden nirgend Schüler finden, die Ihnen treuer ergeben sind und wärmer
an Ihnen hängen, als meinen Bruder und mich.«
    »Ich bin kein Lehrer, der auf die Dauer einen Fürsten zu fördern vermag, ich
bin gewöhnt an den strengen Gang meiner Wissenschaft und die stille Arbeit unter
meinen Büchern.«
    »Der letzte Teil Ihrer Tätigkeit wenigstens geht hier der Welt nicht
verloren. Gerade hier sollen Sie Musse finden, vielleicht mehr als unter Ihren
Studenten.«
    »Das neue Leben würde mir neue Pflichten bringen,« antwortete der Professor,
»und als Mann müsste ich sie mir fordern. Es würde mir auch Zerstreuung bieten,
an welche ich nicht gewöhnt bin. Sie laden sich einen Mann, den Sie für fest
halten; wohl, er steht fest in seinem Kreise, es besteht keine Bürgschaft dafür,
dass er Ihnen in anderm Leben ebenso erscheinen
