 edelste Kraft für Stunden zerbrechen. »Mir ist widerwärtig und demütigend
wie dir, dem Hässlichen in das nackte Angesicht zu sehen, ich bin bereit, Alles
zu tun, was ich vermag, um dich von diesem Leide zu lösen. Lass uns ruhig
erwägen, wie das geschehen kann. Nicht in solcher Leidenschaft darfst du, was
dir ziemt, beschließen, denn dir fehlt jetzt die Freiheit, das Rechte zu wählen.
An welchem alten Hause, das ein Mieter bezieht, das ein Gastwirt öffnet,
hängen nicht peinliche Erinnerungen? Müssiges Geschwätz vermag selbst der nicht
von seinem Haupte zu bannen, der in ungewohnter Umgebung gleichförmig hinlebt.
Wende den Blick ab von dem Gemeinen. Um seinetwillen aufzubrechen wie
Flüchtlinge, ziemt nicht dir und nicht mir. Was haben wir getan, Ilse, dass wir
unser Selbstgefühl verlieren? Gegen die feindselige Arbeit des törichten
Zufalls gibt es nur eine Weisheit, sicher vorwärts gehen und wenig darum sorgen.
Dann verhallt und verklingt der Misston von selbst im Geräusch der Straße. Wer
sich davon stören lässt, der vergrößert ihn durch seine eigenen Schmerzen.
Gesetzt, wir brechen plötzlich auf aus diesem Hause. Du würdest in die Fremde
das Gefühl tragen, dass du als Besiegte von hier gehst, und unaufhörlich würde
dich die Sorge verfolgen, dass ein misstönendes Gemurmel hinter uns nicht zum
Schweigen gebracht ist.«
    »Du sprichst sehr kalt und verständig,« rief Ilse in innerer Empörung,
»trotz deiner Worte fühlst du wenig die Kränkung deines Weibes.«
    »Wärest du in der Fassung, die ich sonst an dir ehre, du würdest so
ungerechte Klage nicht über deine Lippen bringen,« versetzte der Gatte finster.
»Wenn ich dich in Gefahr sähe, ich würde noch diese Stunde mit dir fortziehen;
habe ich erst nötig, darüber gegen dich ein Wort zu verlieren? Aber selbst
gegen das Geschwätz der Schwachen ist dir dieser Aufenthalt hier vorläufig der
beste Schutz, denn der Prinz ist fern, du aber weilst zurückgezogen bei deinem
Gatten.«
    »Ich weiß, woher diese Gleichgültigkeit kommt,« murmelte Ilse.
    »Du weißt, was mich hier fesselt,« erwiderte der Professor, »und wärst du
mir, was du sein solltest, Verbündete bei meinen Hoffnungen, und hättest du
dasselbe Gefühl für den Wert des Gutes, das ich suche, du würdest gleich mir
empfinden, dass ich keinen ablenkenden Schritt tun darf, wenn ich nicht erkenne,
dass er nötig ist. - Ertrage nur noch für den nächsten Tag diesen Aufenthalt,
liebe Ilse, wie unbehaglich er dir heut erscheint,« fuhr er herzlich fort. »Ich
bin eingeladen in dem Landschloss der Prinzessin zu suchen, dort wird sich, wie
ich ahne, finden,
