 geschehen sollte, leugne ich
nicht. Aber zu allen Zeiten hat ernste wissenschaftliche Forschung, selbst wenn
sie zunächst nur einem sehr kleinen Kreise verständlich ist, ganz unsichtbar und
in der Stille Seele und Leben des gesammten Volkes beherrscht. Sie bildet die
Sprache, sie richtet die Gedanken, sie formt allmählich Sitte, Rechtsgefühl und
Gesetz nach den Bedürfnissen jeder Zeit. Nicht nur die praktischen Erfindungen
und der steigende Wohlstand werden durch sie möglich, auch, was Ihnen nicht
weniger wichtig erscheinen wird, die Gedanken des Menschen über sein eigenes
Leben, die Art, wie er seine Pflichten gegen Andere übt, der Sinn, in welchem er
Wahrheit und Lüge auffasst, das alles verdankt jeder von uns der Gelehrsamkeit
seines Volkes, wie wenig er sich auch um die einzelnen Forschungen kümmern möge.
Und lassen Sie mich einen alten Vergleich gebrauchen. Die Wissenschaft ist wie
ein großes Feuer, das in einem Volke unablässig unterhalten werden muss, weil ihm
Stahl und Stein unbekannt sind. Ich gehöre zu denen, welche die Pflicht haben,
immer neue Scheite in das große Feuer zu werfen. Andere haben die Aufgabe, die
heilige Flamme durch das Land, in Dörfer und Hütten zu tragen. Jeder, der an der
Verbreitung des Lichtes arbeitet, hat sein Recht, und keiner soll von dem Andern
gering denken.«
    »Darin liegt Wahrheit,« sagte der Landwirt aufmerksam.
    »Wenn das große Feuer nicht brennt,« fuhr der Professor fort, »werden die
einzelnen Flammen sich auch nicht verbreiten können. Und glauben Sie mir, was
einen ehrlichen Gelehrten bei den schwierigsten Untersuchungen, unter denen ihm
das Leben dahinschwindet, immer erhebt und stärkt, das ist gerade die
unerschütterliche Überzeugung, welche durch lange Erfahrung tausendfach
bestätigt ist, dass seine Arbeit zuletzt doch der ganzen Menschheit zu Gute
kommt; sie hilft nicht immer neue Maschinen erfinden und neue Culturpflanzen
entdecken, sie ist deshalb nicht weniger wirksam für Alle, auch wo sie lehrt,
was wahr und unwahr, was schön und hässlich, was gut und schlecht ist. In diesem
Sinne macht sie Millionen freier und dadurch besser.«
    »Ich sehe wenigstens aus Ihren Worten,« sprach der Landwirt, »dass Sie Ihren
Beruf hoch halten. Und das freut mich überall, denn das ist die Art eines
tüchtigen Mannes.«
    Bei dieser Unterredung wurde beiden Männern behaglicher zu Mute. Der
Inspector erhob sich, und im Nu rückten sämtliche Stühle der Würdenträger und
der Kinder, die Mehrzahl der Tischgäste verließ das Zimmer. Nur der Wirt, Ilse
und die Gäste saßen noch einige Minuten beieinander, jetzt in ruhiger
fortrollender Unterhaltung. Dann ging man in das Nebenzimmer zu dem
angerichteten Kaffetisch, Ilse schenkte ein und der Landwirt betrachtete von
seinem Sitze die unerwarteten Gäste
