 Gemeinde
gehört, einen unwiderstehlichen Reiz ausüben muss. Ich möchte die Frauen
beneiden, denen das Glück wird, solcher Tätigkeit durch ihr ganzes Leben nahe
zu sein.«
    »Wir sind kühne Eroberer am Schreibtisch,« erwiderte der Professor, »aber
dem Eroberer und seiner Umgebung wird oft das Missverhältnis zwischen innerer
Freiheit und äußerer Unbehilflichkeit fühlbar. Wer das wirkliche Leben mit uns
durchmacht, der wird uns leicht übersehen und unsere Einseitigkeit schwer
ertragen. Denn, Hoheit, die Gelehrten sind selbst wie die Bücher, welche sie
schreiben. In der Mehrzahl stehen wir schlecht gerüstet in dem Wirrwarr der
Geschäfte, zuweilen hilflos in der vielgestaltigen Tätigkeit unserer Zeit. Wir
sind treue Freunde solcher Stunden, in denen der Mensch neue Kraft sucht für den
Kampf des Lebens, aber in dem Streit selbst sind wir häufig ungeübte Helfer.«
    »Dachten Sie bei Ihren Worten an sich selbst?« frug die Prinzessin schnell.
    »Nein,« versetzte der Professor, »ich trug ein Bild im Sinne, das ich mir
aus den Zügen vieler Berufsgenossen zusammengesetzt hatte, aber wenn Ew. Hoheit
nach mir fragen, auch ich bin nach dieser Richtung ein regelrechter Gelehrter.
Denn ich habe oft Gelegenheit gehabt zu bemerken, wie unfertig mein Urteil in
allen Fragen ist, bei denen nicht mein Wissen oder meine sittlichen Empfindungen
mir Sicherheit geben.«
    »Das ist mir gar nicht recht, Herr Werner,« rief die Prinzessin und lehnte
sich würdevoll auf dem Sessel zurück. »Meine Phantasie war im besten Fluge, ich
saß als Gebieterin der Welt da, bereit, meine Völker zu beglücken, und ich
machte Sie zu meinem Minister.«
    »Das Zutrauen tut mir wohl,« entgegnete der Professor, »aber wenn Hoheit
einmal in die Lage kommen, einen Gehilfen der Herrschaft zu suchen, so könnte
ich diese Würde nur dann mit gutem Gewissen annehmen, wenn Ew. Hoheit Insassen
vorher alle in der Presse des Buchbinders zurechtgeschnitten wären, wenn sie ein
Röckchen aus Pappe trügen und auf ihrem Rücken einen Zettel, der deutlich
besagt, was jeder für einen Inhalt hat.«
    Die Prinzessin lachte, aber ihr Auge ruhte innig auf dem ehrlichen Antlitz
des Mannes. Sie sprang auf und trat vor ihn. »Immer sind Sie wahrhaft und klar,
und hoch das Haupt.«
    »Dank für die Beurteilung,« versetzte der Professor fröhlich. »Selbst Ew.
Hoheit behandeln mich wie einen Geist, der in einem Buche steckt, Sie rühmen
mich so offen, als ob ich die Worte nicht verstände, die man über mich spricht.
Ich bitte um Erlaubnis, auch Ew. Hoheit meine Gefühle in einer Recension
vorzutragen.«
    »Wie ich bin, will ich von Ihnen nicht hören,
