
Ihnen besonders zusagt.«
    »Diese Aussicht ist die höchste und gnädigste, welche meinem Leben zu Teil
werden kann,« erwiderte Knips mutiger.
    »Gut,« sagte der Fürst, »verdienen Sie sich jetzt dieses Anrecht und
versuchen Sie zunächst, was Ihre Geschicklichkeit vermag.«
    »Ich werde mir Mühe geben, Ew. Hoheit zu dienen,« versetzte der Magister,
die Augen auf den Boden geheftet.
    Knips verließ das Kabinet. Der kleine Mann, welcher jetzt die Treppe
hinabschlich, sah anders aus als jener glückliche Magister, der vor wenig
Minuten hinaufgestiegen war. Das bleiche Gesicht war nach vorn gebeugt und sein
Auge irrte scheu über die Mienen der Diener, welche ihn neugierig betrachteten.
Er griff in Verwirrung nach seinem Hut und er, der Magister, setzte ihn noch im
Fürstenschlosse auf sein Haupt. Er trat hinaus auf den Platz, der Sturm fegte
durch die Straßen, trieb Staub in Wirbeln um ihn her und jagte ihm die
Rockschösse vorwärts. »Er treibt,« murmelte Knips, »er treibt, wie kann ich
widerstehen? Soll ich zurückkehren in die kalte Kammer zu meinen Korrecturen,
soll ich mein Lebtag von der Professorengnade abhängen und den stolzen Tröpfen
Bücklinge machen, immer in Sorge, dass ein Zufall diesen Gelehrten verrät, wie
auch ich einmal ihr Meister war und sie höhnte?«
    »Hier aber ein gutes Leben und Gelegenheit, unter Unwissenden der Klügste zu
sein und ihnen unentbehrlich zu werden. Ich bin es schon jetzt, der Fürst hat
sich zu mir gestellt wie ein Kamerad zum andern, und er kann, wenn ich seinen
Willen tue, sich so wenig von mir scheiden wie das Pergament von der Schrift.«
    Er wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn. »Ich selbst finde den
Kodex,« fuhr er zuversichtlicher fort. »Jacobi Knipsii sollertia inventum. Ich
kenne das große Geheimnis, und ich will suchen Tag für Tag, wo nur ein
Kellerwurm kriecht und eine Spinne ihr Gewebe anhängt. Bei mir steht es dann, ob
ich den Professor zum Gehilfen nehme bei der Herausgabe oder einen Andern.
Vielleicht nehme ich ihn und er soll mir dankbar sein. Denn er findet schwerlich
den Schatz, er ist viel zu vornehm, um zu horchen und zu spioniren, wo die
Truhen versteckt sind.«
    Der Magister beflügelte seine Schritte, hinter ihm pfiff der Wind in
scharfen Tönen, riss vertrocknete Zweige des letzten Jahres vom Baum und warf sie
an den Hut des kleinen Mannes. Schneller kreisten die Staubwirbel um seinen
Leib, sie bargen das schwarze Festkleid in fahlem Grau, glitten fort mit dem
Schreitenden und hüllten ihn ein, dass ihm das Grün der Bäume und die Gestalten
der Menschen entschwanden und er in einer
