 gedrückt wie ich und sieht mich an, als fühlte er dieselbe namenlose Angst.
Und sein Vater? Wenn er vor mich tritt, ist er ein freundlicher Herr, dem man
gut sein könnte, und sobald er mir den Rücken wendet, verzerren sich vor meiner
Seele die Züge seines Antlitzes. Es tut nicht wohl, den Großen der Erde nahe zu
sein, sie neigen sich Einem zu, öffnen ihre Seele wie gute Freunde, und kaum
fühlt man die Erhebung, dass das Höchste Einem so großes Anrecht gewährt, dann
ziehen sich die neckenden Geister plötzlich wieder in ihr unsichtbares Reich
zurück, und man kümmert sich, denkt an sie und regt sich auf. Solch Leben nimmt
den Frieden.«
    »Felix sagt, man soll nicht sorgen um diese Sorglosen. Wie kann man Anteil
und Sorge meiden, wenn ihrer Seele Wohlfahrt ein Segen für Alle ist?«
    »Ist es nur darum, Ilse,« frug sie, »dass die Gedanken ruhelos fliegen? Oder
ist es Stolz, bald verletzt und bald wieder geschmeichelt, ist es Angst um
Geliebtes, das sie mir in der Stille entreißen wollen?«
    »Weshalb bangt mir um dich, mein Felix? Warum zage ich, weil er hier ein
Weib gefunden hat, das seinem Geiste ebenbürtig ist? Bin ich es nicht auch? An
seinem Licht bin ich heraufgewachsen, ich bin nicht mehr die unwissende
Landfrau, die er sich einst von den Herden geholt hat. Fehlt mir auch der
lockende Reiz der vornehmen Dame, was kann sie ihm mehr geben als ich? Er ist
kein Knabe und er weiß, dass ich jede Stunde nur für ihn lebe. Ich verachte euch,
ihr kläglichen Bilder, wie habt ihr Zugang zu meiner Seele gefunden? Ich bin
keine Gefangene dieser Wände, und wenn ich hier weile, wo ihr Macht habt über
die Menschen, ich bleibe um seinetwillen. Man soll nicht verlassen, den man
liebt, das Wort ist auch für mich gesprochen. Aber meines Vaters Kind steht
nicht kläglich in der Kammer und wischt sich die Augen, wenn der Geliebte auch
einmal mit einer Prinzessin unter dem Haselstrauch sitzt.«
    Gabriel schlich in einem abgelegenen Teil der Anlagen dahin, da fühlte er
einen Schlag auf der Schulter, Prinz Victor stand hinter ihm. »Freund Gabriel?«
»Zu Befehl, Hoheit.« »Wo gedient?« »Blaue Husaren.« »Gut,« nickte der Prinz,
»wir sind von derselben Waffe. Ich höre, Sie sind ein zuverlässiger Bursch. Wo
fehlt's Ihnen?« Er zog seine Börse heraus. »Wir teilen, nehmen Sie, was Sie
brauchen.«
    Gabriel schüttelte den Kopf.
    »Dann sind die Weiber
