 Hummel, »wer fragt jetzt danach? Schwefelhölzer sind so
gut wie baar Geld, die Eckensteher machen Wechselgeschäfte und schenken einander
ihre Brustbilder. Warum leben Sie nicht wie der Buchhalter Knips von drüben? Als
ich meiner Frau beim Italiener eine Apfelsine kaufte, sah ich ihn in der
Hinterstube sitzen mit einer Flasche Champagner in Eis. Warum setzen Sie sich
nicht auch ins Eis in dieser hitzigen Zeit? Es ist Alles ein greulicher
Schwindel geworden, ein Sodom und Gomorrha, das Strohfeuer brennt, aber es wird
ein Ende mit Schrecken nehmen.«
    Herr Hummel schloss sein Komtoir und schritt im Zwielicht nach dem Stadtpark,
wo er wie ein Geist an der Grenze seines Grundstücks auf und ab wandelte. Aus
seinen Betrachtungen wurde er durch ein wildes Gekläff des roten Hundes
geweckt, welcher an eine umschattete Bank des Parks stürzte und wütend in die
Stiefeln und Beinkleider eines Mannes biss. Hummel trat näher, ein Männlein und
ein Fräulein flogen auseinander. Hummel war Weltmann genug, sich nichts merken
zu lassen, aber er zog sich eilig in seinen Garten zurück und setzte dort seine
Wanderung im Sturmschritt fort. »Ich hab's gewusst, ich hab's gesagt, ich habe
gewarnt. Der arme Teufel.« dabei trat er zornig auf den eignen Buchsbaum und
vergaß die Stunde des Abendessens, so dass seine Frau zweimal in den Garten rufen
musste. Auch als er bei Tische saß, finster und mit einem Wetter geladen, äußerte
er eine so tiefe Menschenverachtung, dass die Frauen bald verstummten. Laura
machte noch einen Versuch, das Gespräch auf die Frau Bürgermeisterin zu bringen,
welcher Hummel große Verehrung bewies, sooft sie vorbeiging, aber er brach in
die entsetzlichen Worte aus: »Sie ist auch nichts Besseres als ein Weib.«
    »Jetzt ist's genug, Hummel,« rief seine Frau, »dieses Benehmen ist sehr
unerfreulich, und ich muss dich ersuchen, deine üble Laune nicht so weit zu
treiben, dass sie dich des Urteils über weiblichen Wert beraubt. Ich kann
Vieles verzeihen, aber niemals einen Frevel am Adel menschlicher Natur.«
    »Bleib mir vom Leibe mit deinem menschlichen Adel,« versetzte Hummel, stand
vom Tisch auf, rückte heftig den Stuhl an seinen Platz und stürmte in die
Nebenstube, wo er im Halbdunkel wieder zornig auf und ab schritt; denn Gabriel
lag ihm sehr im Sinn. Allerdings war die gesellschaftliche Stellung dieses
Mannes keine hervorragende, er war nicht Verwandter, nicht Hausbesitzer, nicht
einmal Bürger. Deshalb erwog Herr Hummel, dass eine Einmischung in die geheimen
Gefühle desselben ihm selbst schwerlich anstehe. Aber zu dieser Erkenntnis drang
er nicht ohne Kämpfe durch. Und er vermochte die Stimme, welche in einem Winkel
seines Herzens zu Gunsten
