, was kümmert das uns? Wollen wir ihre Vertrauten werden und
mit ihnen zusammen leben wie mit unsern Freunden daheim? Solches Aufschliessen
unserer Seelen haben sie sich doch noch nicht verdient. Als wir herkamen, traten
wir in ein einfaches Kontractverhältniss, wir übernahmen auch die Verpflichtung,
uns in ihre Lebensordnung zu fügen.«
    »Und wir behielten die Freiheit, von hier zu gehen, sobald uns diese Ordnung
nicht mehr gefällt.«
    »Ganz recht,« versetzte der Professor, »sobald wir einen ausreichenden Grund
haben, sie unerträglich zu finden. Ich meine, das ist nicht der Fall. Man
verlangt von uns nichts Entwürdigendes, ja man zeigt uns beflissene
Aufmerksamkeit, was kümmert uns der Teil ihres Lebens, den sie uns nicht geben
und den wir zu begehren weder Recht noch Veranlassung haben.«
    »Täusche uns beide nicht,« rief Ilse. »Wenn in unserer Stadt Jemand zu dir
sagte, du darfst nur meine Schuhe ansehen, aber den Blick nicht bis zu meinem
Gesicht erheben, du darfst nur im Freien mit mir zusammenkommen, aber nicht in
meinem Hause, ich kann nur stehend bei dir essen, aber an deinem Tisch
niederzusitzen verbietet mir meine Würde, was wirst du, der du so stolz in
deinem Kreise stehst, einem solchen Toren antworten?«
    »Ich werde nach dem Grund seiner Befangenheit fragen, vielleicht ihn
bedauern, vielleicht mich von ihm wegwenden.«
    »So tu's hier,« rief Ilse. »Denn wir sind geladene Gäste, vor denen die
Hausleute die Tür zusperren.«
    »Ich wiederhole dir, wir sind nicht Gäste, welche geladen wurden, mit den
Menschen hier gesellig zu verkehren. Ich bin zur Arbeit hergerufen, und ich habe
diesen Ruf angenommen, weil ich für meine Wissenschaft so Großes suche, dass ich
weit andere Übelstände ertragen müsste als etwa unbequeme Gewohnheiten des
Hofes. Dies wichtige Interesse darf ich nicht auf's Spiel setzen durch ein
Auflehnen gegen gesellige Ansprüche, die mir nicht gefallen. Gerade weil ich
ohne besondere Ehrfurcht auf diese Ordnung sehe, stört sie mir nicht die Laune.«
    »Es tut aber weh und macht zornig, dass Menschen, an deren Leben man Anteil
nimmt, an so greulich veraltetem Trödel hängen,« rief Ilse immer noch erbittert.
    »Das also ist es?« frug Felix. »Wir sorgen auch um das Seelenheil der
Anspruchsvollen selbst? Das lässt sich eher hören. Nun, an jedem Privilegium
hängt ein alter Fluch, der die Meisten trifft, welche daran Teil haben. Das mag
auch von den Vorrechten des Hofes gelten. Das Leben unserer Fürsten ist in den
Bann bestimmter Kreise eingeschlossen, Anschauung und Vorurteil einer Umgebung,
die sie sich nicht frei
