 erfolgt. Ich werde wachsam sein und weitere Ausschreitungen zu
verhüten suchen, und ich werde meine Amtspflicht nach jeder Richtung auf das
Strengste tun, sorgt aber dafür, dass ich über diese Angelegenheit nur erfahre,
was mir Grundlage zu amtlichem Eingreifen werden kann.«
    Fast in derselben Lage wie unser Student war der Kammerherr, auch er stellte
sich sorgenvoll beim Doctor ein, erzählte den Streit und frug, was der Doctor
von der Verpflichtung des Prinzen halte, sich durch seinen Stellvertreter aus
einen Zweikampf einzulassen. Der Doctor erwiderte mit Zurückhaltung: »Jedes
Duell ist Unsinn und Unrecht. Wenn der Erbprinz von dieser Ansicht durchdrungen
ist und die Folgen derselben für sein Leben und dereinst für seine Regierung auf
sich nehmen will, so werde ich der letzte sein, der gegen dies Martyrium etwas
einwendet. Steht aber Ihr junger Herr nicht so sicher und frei über den
Vorurteilen seines Kreises und ist auch ihm die stille Ansicht eingepflanzt,
dass es für Kavaliere und Militärs eine bestimmte Ehre gibt, welche noch etwas
Anderes bedeutet als die Ehre eines Ehrenmannes, und welche in gewissen Fällen
ein Duell nötig macht, sollte Ihr Prinz nach solchen Anschauungen urteilen und
dereinst regieren wollen, so will ich Ihnen allerdings bekennen, dass ich ihm das
Recht nicht zugestehe, den Ehrbegriffen unserer akademischen Jugend
entgegenzutreten.«
    »Sie sind also der Meinung,« frug der Kammerherr, »dass der Prinz sich auf
die angebotene Stellvertretung einlassen müsse?«
    »Ich habe weder Recht noch Wunsch, hier eine Meinung auszusprechen,«
versetzte der Doctor. »Ich kann nur sagen, dass mir die Stellvertretung auch
nicht gefällt. Mir scheint die Sache so zu liegen: entweder Vernunft oder
wenigstens persönlicher Mut.«
    Der Kammerherr stand schnell auf. »Das ist ganz unmöglich; es wäre nicht nur
eine unerhörte Abweichung von dem Herkommen und würde für den Prinzen neue
peinliche Verwickelungen herbeiführen, es ist auch so vollständig gegen meine
Überzeugung von dem, was einem Fürsten erlaubt ist, dass davon unter keinen
Umständen die Rede sein kann.«
    Der Kammerherr entfernte sich, nicht angenehm von der radikalen Auffassung
des Doctors berührt. Nach der Heimkehr sagte er dem Prinzen: »Die Angelegenheit
muss schnell beendet werden, bevor der Fürst davon erfährt. Höchstderselbe wird
bei der Persönlichkeit des Gegners Ew. Hoheit jede Nachgiebigkeit auf das
Strengste untersagen; und doch sehe ich, dass die Beziehungen meines gnädigsten
Prinzen zu der Studentenschaft und vielleicht sogar andere persönliche
Verhältnisse auf das Äußerste gefährdet sind, wenn es nicht gelingt, den hier
üblichen Ansichten einigermaßen zu entsprechen. Darf ich deshalb Ew. Hoheit
einen Rat geben, so ist es immer der, dass Höchstsie dem Kreise, in welchem wir
einmal leben, eine große Bewilligung machen und Herrn von Halling als Vertreter
