 und Ausarbeiten
der Recruten auch einige Vorurteile und Unarten der Garnison zu ihrem hohen
Beruf mitbringen und viel zu wenig von der Sicherheit, dem edlen Stolz und dem
fürstlichen Sinn, welchen die Übung in den großen Geschäften zu entwickeln
vermag.«
    Der Fürst lächelte. »Excellenz sind also der Ansicht, dass der Erbprinz eine
Universität besuchen soll? Denn eine andere Schule gibt es doch nicht, wenn er
einmal diesen Hof verlässt. Der Prinz ist schwach und bestimmbar, die Gefahren,
welche für ihn auf diesem Wege liegen, sind doch noch größer als der Verkehr mit
einem ungeeigneten Offizier.«
    »Es ist wahr,« warf der Obersthofmeister ein, »dass während dieser Jahre der
Erbprinz gewisse Zugeständnisse an den Brauch einer Akademie zu machen hat; für
den persönlichen Umgang finden sich aber doch auf jeder Universität Söhne alter
Familien, welche die Ehre, den Prinzen zu entouriren, wohl würdigen. Es wird
vielleicht dort leichter sein, den jungen Herrn von unpassender Kameradschaft
frei zu halten als beim Regiment.«
    »Nicht diese Gefahr fürchte ich,« versetzte der Fürst, »sondern unpraktische
Theorie und zerstörende Ideen, welche dort verkündet werden.«
    »Was man bekämpfen muss, sollte man doch vorher kennenlernen,« entgegnete der
Obersthofmeister. »Erachten Ew. Hoheit bei der vielseitigen Erfahrung, welche
Höchstdenselben ein reiches Leben verlieh, die Bekanntschaft mit diesen Ideen so
gefährlich?«
    »Wer geht in die Hölle, um fromm zu werden?« frug der Fürst in guter Laune.
    »Als ein großer Dichter dies gewagt hatte,« versetzte der Obersthofmeister,
»schrieb er sein göttliches Gedicht. Und mein gnädigster Herr, der selbst warmes
Interesse für wissenschaftliche Tätigkeit vielfach bewährt hat, wird doch
unsere Akademien höchstens für Orte eines milden Fegfeuers halten. Sollte an den
Seelen unserer erlauchten Herren nach der Rückkehr von dieser Stätte hie und da
ein infernalisches Flämmchen hängen, es wird durch die hohen Interessen des
fürstlichen Berufes sehr bald getilgt.«
    »Ja,« bestätigte der Fürst mit devoter Miene, »es liegt eine Weihe auf dem
Amt des Fürsten, welche das Wesen auch des schwachen Mannes für die großen
Interessen umbildet, welche er durch sein Leben darzustellen hat. Aber,
Excellenz, es ist schwer, ohne verächtliches Mitleid auf die sentimentale
Gefühlsseligkeit neuer Regenten zu sehen und aus Fürstenmunde immer wieder die
alten Phrasen von Liebe und Vertrauen gläubig nachgesprochen zu hören.
Allerdings sind diese populären Aufwallungen vergänglich, und auch mancher von
uns älteren hat einst geschwärmt und da grünes Moos zu pflanzen versucht, wo es
von der Sonne versengt wird, aber die furchtbaren Gefahren unserer argen Zeit
machen solches Schwanken neuer Regenten immer gefährlicher, und falsche Schritte
der ersten Regierungswochen mögen oft die ganze spätere Stellung verderben.
