 die süße
Freude, neues Wissen in den Geist einer Vertrauten zu senken.
    »Auf diesen Xerxes habe ich einen großen Zorn,« rief Laura, »schon von der
Fibel her: Der Perser Xerxes war ein reicher König, Xantippe war ein Weib, doch
taugten beide wenig. Ich dachte lange, Xantippe wäre seine Frau gewesen, ich
hätte sie ihm gegönnt. Sehen Sie dagegen die dreihundert Spartaner, sie senden
die Andern nach Haus, kränzen sich und salben sich und ziehen ihr Festkleid an
zum Tode. Das erhebt das Herz. Sie waren Männer. Und könnte ich ihrem Gedächtnis
etwas Liebes erweisen durch meinen dummen Kopf und meine schwachen Hände, ich
wollte dafür arbeiten, bis mir die Finger schmerzten. Aber was kann ich
Armselige tun! Höchstens Reisetaschen sticken für ihren Weg in die Unterwelt,
und die kämen zweitausend Jahre zu spät. Wir Frauen sind erbärmlich dran,« rief
sie ärgerlich.
    »Ich weiß andere aus der Schlacht,« sagte Ilse, »die mir rührender sind als
die dreihundert von Sparta. Das sind die Tespier, welche zugleich mit ihnen
kämpften und starben. Die Spartaner zwang ihr stolzes Herz, die strenge Zucht
und Befehl ihrer Obrigkeit. Die Tespier aber starben freiwillig. Sie waren
kleine Leute und sie wussten wohl, dass die größte Ehre ihren vornehmen Nachbarn
bleiben würde. Sie aber standen treu in bescheidenem Sinn, und das war weit
selbstloser und edler. - Ach, ihnen allen war es leicht,« fuhr sie traurig fort,
»aber die zurückblieben, ihre armen Eltern, die Frauen und Kinder, das zerstörte
Glück und der unsägliche Jammer daheim.«
    »Jammer!« rief Laura, »wenn sie dachten wie ich, waren sie stolz auf den Tod
ihrer Lieben und trugen, wie diese, Kränze in ihrem Schmerz. Wozu ist unser
Leben, wenn man sich nicht freuen darf, es für Höheres hinzugeben?«
    »Für Höheres?« frug Ilse. »Was den Männern höher gilt als Weib und Kind, ist
das höher auch für uns? Unser Amt ist, das ganze Herz auf sie, die Kinder und
das Haus zu richten. Wenn sie uns genommen werden, uns ist das ganze Leben
verwüstet, und nichts bleibt als unendliche Trübsal. Das ist für uns wohl
natürlich, wenn wir ihren Beruf anders ansehen als sie selbst.«
    »Ich will auch ein Mann sein,« rief Laura. »Sind wir denn so schwach an
Geist und Gemüt, dass wir weniger Begeisterung und Ehrgefühl und Liebe zum
Vaterland haben müssen als sie? Der Gedanke ist furchtbar, durch das ganze Leben
nur Dienerin zu sein eines Gebieters, der auch nicht stärker und besser ist als
ich, der Gummischuhe trägt
