 »das
Vernunftlose mit dem Vernünftigen, das Vergängliche mit dem Ewigen!«
    »Was das Unvernünftige betrifft, liebe Frau Kollega, so ist es ein Wort, bei
dem man sich in diesem Falle nichts Genaues denkt. Wie groß der Unterschied
zwischen Mensch und Tier auch sei, er ist schwer festzustellen, und auch nach
dieser Richtung ziemt uns Bescheidenheit. Wir wissen sehr wenig von den Tieren,
selbst von denen, welche täglich mit uns leben. Ich gestehe Ihnen, dass mir der
gelegentliche Versuch, dies Unverständliche meinem Verständnis näher zu rücken,
eine Achtung und Scheu vor dem fremdartigen Leben eingeflößt hat, bei welcher
zuweilen Schrecken war. Ich leide nicht, dass Jemand von meinen Leuten sein Herz
an ein Tier hängt. Auch aus einer Weichheit des Gefühls, die, wie ich Ihnen
zugebe, pedantisch ist. Aber die Einwirkung des menschlichen Gemütes auf die
Tiere ist mir vollends rätselhaft und unheimlich erschienen, es werden in den
fremden Kreaturen dadurch Seiten ihres Lebens entwickelt, welche sie nach
einzelnen Richtungen dem Menschen sehr ähnlich machen. Auch hat die liebevolle
Annäherung an unsere Art für uns soviel Rührendes, dass wir leicht mehr Herz und
Empfindung auf ein Tier wenden als ihm und uns frommt.«
    »Aber das Tier bleibt doch, wie es seit der Schöpfung war,« rief Ilse,
»unverändert in seinen Trieben und Neigungen. Wir können einen Vogel abrichten
und einen Hund zwingen, dass er überbringt, was er selbst fressen möchte, aber
das ist nur äußerer Zwang. Sind sie sich selbst überlassen, so bleibt ihnen Art
und Natur ungeändert, und was wir Kultur nennen, fehlt ihnen ganz.«
    »Auch darüber sind wir keineswegs sicher,« versetzte Raschke. »Wir wissen
gar nicht, ob nicht jedes Geschlecht der Tiere auch eine Bildung und Geschichte
hat, welche von der ersten Generation bis zur letzten reicht. Es ist sehr
möglich, dass Kenntnisse, Virtuositäten und Verständnis der Welt, soweit dies den
Tieren möglich ist, sich in engerem. Kreise ebenso wandelte als bei den
Menschen. Es ist eine willkürliche Annahme, dass die Vögel vor tausend Jahren
genau ebenso gesungen haben als jetzt. Ich bin der Ansicht, dass Wolf und Fuchs
auf cultivirtem Boden in ähnlicher Lage sind wie die letzten Trümmer der
Indianerstämme unter den Weißen, während solche Tiere, die in erträglichem
Frieden mit den Menschen leben, wie die Sperlinge und anderes kleines Volk,
sogar die Bienen, in ihrer Art klüger werden und im Laufe der Zeit Fortschritte
machen, Fortschritte, die wir in einzelnen Fällen ahnen, die unsere Wissenschaft
aber noch nicht darzustellen vermag.«
    »Damit wird unser Herr Oberförster sehr einverstanden sein,« sagte Ilse
ruhiger, »er klagt bitterlich, dass die Finken
