 dass die Stube aussah wie
mit Bücherrücken tapeziert.
    »Mir wird angst vor der Menge,« sagte Ilse und half ihm seine eignen Werke
in eine dunkle Ecke tragen, welche ihnen jetzt als Standquartier eingeräumt
wurde. »Sie sehen so gleichgültig aus, und doch mögen viele in Leidenschaft
geschrieben sein und auch die Leser aufgestört haben.«
    »Ja,« sagte der Gatte, »sie sind die großen Schätzehüter des
Menschengeschlechts. Das Beste, was je gedacht und erfunden wurde, bewahren sie
aus einem Jahrhundert in das andere, sie verkünden, was nur einst auf Erden
lebendig war. Hier steht, was wohl tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung
geschaffen wurde, und dicht daneben, was erst vor wenig Wochen in die Welt
wanderte.«
    »Von den Röckchen, die sie tragen, seht fast eins aus wie das andere,« sagte
Ilse, »ich würde mich schwer darin zurechtfinden.«
    Der Professor erklärte ihr die Anordnung, führte sie von einem Schrank zum
andern und wies ihr einzelne, die ihm besonders lieb waren.
    »Und du brauchst sie alle?«
    »Gelegentlich wohl noch viele andere. Die hier stehen, sind doch nur ein
unendlich kleiner Teil der Bücher, welche je gedruckt wurden. Denn seit sie
erfunden sind, liegt in ihnen fast Alles, was wir wissen und Bildung nennen.
Aber das ist es nicht allein,« fuhr er geheimnisvoll fort, »Wenige denken daran,
dass ein Buch mehr ist als ein Werk des schaffenden Geistes, das er von sich
absendet wie der Tischler einen bestellten Sessel. Zwar an jedem Menschenwerk
bleibt etwas von der Seele des Menschen hängen, der es gefertigt. Das Buch aber
schließt zwischen seinen Deckeln in Wahrheit den Geist des Menschen ein. Was ein
Mann für Andere bedeutet, der beste Teil seines Lebens, bleibt in dieser Form
für die nächsten Geschlechter, vielleicht bis in die fernste Zukunft. Sowohl
die, welche ein gutes Buch schreiben, als auch solche, deren Leben und Tun im
Buche dargestellt wird, sie beharren in der Tat lebendig unter uns. Wir
verkehren mit ihnen als mit Freunden und Gegnern, wir bewundern und bekämpfen,
wir lieben und verabscheuen sie nicht weniger, als wenn sie leibhaftig unter uns
weilten. Der Menschengeist, der zwischen solche Deckel eingeschlossen ist, wird
dadurch auf Erden unvergänglich, und deshalb dürfen wir sagen, im Buche dauert
das geistige Leben des Einzelnen, und nur der Geist, welcher eingebucht wird,
hat sichere Dauer auf Erden.«
    »Aber der Irrtum dauert auch,« rief Ilse, »und die Lügner und die unreinen
Geister, wenn sie sich in ein Buch stecken.«
    »Auch sie, sie werden durch andere Geister widerlegt. Sehr verschieden
