 Schaffens
betrachten. Der Welt gilt er für einen harten Baugehilfen. Was er mit
ausdauernder Kraft gebildet, das wird sofort als Baustein verwandt zu dem
unermesslichen Hause der Wissenschaft, an welchem das Geschlecht der Erde seit
Jahrtausenden arbeitet. Hundert Andere stellen sich darauf, um die eigene Arbeit
zu fördern, tausend neue Werkstücke werden darüber gewälzt, nicht Viele sind,
welche danach fragen, wer den einzelnen Pfeiler gemeisselt, noch seltener drückt
dem Arbeiter ein Fremder darum die Hand. Dem leichten Werke des Dichters winkt
noch lange grüßend zu, wer einmal davor heiteres Lächeln gefunden hat oder
gehobene Stimmung. Der Gelehrte wird nur selten und fast zufällig durch einzelne
Werke ein werter Freund und Vertrauter seiner Leser. Er stellt nicht der
Phantasie lockende Bilder, er schmeichelt nicht zuvorkommend dem
sehnsuchtsvollen Gemüt, er fordert strengen Ernst und nüchterne Sammlung vom
Leser, und dieselbe Strenge und Nüchternheit wird ihm selbst zu Teil bei jedem
Urteil über seine Leistung. Auch wo er Ehrfurcht einflößt, bleibt er ein
Fremder.
    Und doch ist er kein Steinmetz, der unförmliche Masse nach verständigen
Massen zurechtschlägt, auch er schafft mit inneren Kämpfen, mit seinem besten
Herzblut, zuweilen unter schwerem Leid, oft mit beglückender Freudigkeit. Auch
ihm erblüht, was er seiner Zeit darbringt, aus den tiefsten Wurzeln seines
Lebens. Deshalb ist dem Gelehrten die Seele, welche das Wackere seiner Arbeit
herzlich empfindet, und nicht nur nach dem letzten Gewinn der Wissenschaft
frägt, sondern nach dem innern Kampf des Schaffenden, ein kostbarer Fund, ein
seltenes Glück. - Jetzt sah Felix mit Rührung, wie sein Weib nach dieser
Stellung rang, und dem kräftigen Manne wurde das Herz weich, während er ihr den
Namen eines römischen Dichters nannte, den er zu einem fast unbekannten Gedicht
ermittelt, und während er ihr von römischen Tribus und von den Geschäften des
Senates erzählte.
    Als ein Jedes verzeichnet war, faltete Ilse die Hände über den Büchern und
rief: »Hier halte ich Alles. Der Raum, den es einnimmt, ist so klein, und doch
waren dafür viele arbeitvolle Tage nötig, und manche Nacht, der größte Teil
deines edlen Lebens. Dies hat dir oft heiße Wangen gemacht, wie du heute wieder
hast. Dafür hast du gelernt, dass dir dein armer Kopf brannte, und dafür hast du
immer in der Stube und zwischen den engen Mauern gesessen. Ich habe die Bücher
sonst auch gleichgültig angesehen, jetzt erkenne ich erst, was ein Buch ist,
eine stille, unendliche Arbeit.«
    »Nicht von jedem ist das zu rühmen,« versetzte der Professor, »aber die
besseren sind dafür auch mehr als eine Arbeit.« Er sah liebevoll auf die Wände,
an denen hohe Bücherschränke bis zur Decke reichten, so
