 denn er war Hutfabrikant und trieb die Sache sehr ins Große.
Und wenn er aus seinem Hause trat und die Vorsprünge des Daches und die
Gipsarabesken unter den Fenstern musternd überschaute, so sah er von allen
Seiten Licht und Luft und freie Natur und empfand sich als den vordersten
Pfeiler der Zivilisation gegen den Urwald.
    Da begegnete ihm, was manchem Pionier der Wildnis die Ruhe stört: sein
Beispiel fand Nachahmung. An einem finsteren Morgen des März kam ein Wagen mit
alten Brettern an den Wäschplatz gefahren, der ihm gegenüber lag, schnell wurde
ein Plankenzaun zusammengeschlagen, Tagelöhner mit Haue und Handkarren begannen
Grund zu graben. Das war ein harter Schlag für Herrn Hummel. Aber sein Leid
wurde größer. Als er zornig über die Straße schritt und den Maurermeister nach
dem Namen des Mannes frug, der gegen Licht und Ruhm seines Hauses feindlich
arbeiten ließ, da erfuhr er, dass sein künftiger Nachbar der Fabrikant Hahn sein
sollte. Von allen Menschen auf der Welt war dieser der größte Tort, den ihm das
Schicksal antun konnte. Nicht eigentlich als Bürger betrachtet, er war nicht
unreputirlich, es ließ sich gegen die Familie nichts Schweres einwenden, aber er
war Hummels natürlicher Gegner, denn das Geschäft des neuen Ansiedlers bewegte
sich auch um Hüte, und zwar um Strohhüte. Diesen leichten Plunder zu verfertigen
ist nie für eine ernste Männerarbeit gehalten worden, es war nie ein zünftiges
Handwerk, es hat nie das Recht gehabt, Lehrlinge frei zu sprechen, es ist sonst
nur von italienischen Bauern betrieben worden, es hat sich als eine Neuerung mit
andern schlechten Sitten erst spät in der Welt verbreitet, es ist im Grunde gar
kein Geschäft, man kauft Strohbänder und lässt sie durch zusammengelaufene
Mädchen im Wochenlohn aneinandernähen. Und es besteht eine alte Feindschaft
zwischen Filzhut und Strohhut. Der Filzhut ist eine historische Macht, durch
Jahrtausende geheiligt, nur die Mütze duldete er neben sich, als gemeine
Einrichtung für Werkeltage. Da erhob der Strohhut seine Anmassungen gegen
verbrieftes Recht und beanspruchte frech die Hälfte des Jahres. Seit der Zeit
schwanken die Wagschalen des irdischen Beifalls zwischen diesen beiden
Attributen des Menschengeschlechts. Wenn der unstäte Sinn der Sterblichen nach
dem Stroh zuschwankt, bleibt der schönste Filz, Felbel, Seide und Pappe
unbeachtet stehen, von der Luft ausgezogen, von Motten zerbissen. Hinwiederum
wenn die Neigungen der Menschen nach dem Filz hinfluten, trägt alles Geborne,
Frauen, Kinder und Kindermädchen, kleine Männerhüte, dann liegt das Stroh
kläglich, kein Herz schlägt dafür und die Hausmaus nistet in dem schönsten
Geflecht.
    Das war für Herrn Hummel ein starker Grund zum Zorn. Aber es wurde noch
ärger. Er sah täglich, wie das feindliche Haus aus dem Boden wuchs, er
beobachtete die Gerüste, die aufsteigenden Mauern,
