 gegen
seine Tochter fort, »aber auf einen andern Besuch magst du dich bei Zeiten
gefasst machen, der Landesherr wird in einigen Wochen vor diesem Hause absteigen.
Ich bin nur deshalb fortgesprengt worden, um Geschwätz über seinen Besuch zu
hören und zu vernehmen, dass noch nicht entschieden sei, wo Serenissimus vor der
Jagd das Frühstück einnehmen werde. Diesen Wink kenne ich, es war vor fünfzehn
Jahren ebenso. Da hilft nun nichts, zu Rossau im Lindwurm kann er nicht bleiben.
Auch diese Störung wird vorübergehen. - Und jetzt uns Allen eine gute Nacht und
ein Schlaf in Frieden.«
    Die beiden Freunde traten nachdenklich in ihr Schlafzimmer. Der Professor
stand am Fenster und horchte auf den Tritt der Wächter, die von außen und innen
den Hof umzogen, auf das Zirpen der Grillen und auf die gebrochenen Laute,
welche aus der schlummernden Flur in das Ohr drangen. Und wieder hörte er ein
Geräusch neben sich und sah in das treue Gesicht seines Freundes, der in seiner
Aufregung die Hände gefaltet hatte: »Sie ist fromm,« rief Fritz klagend.
    »Sind wir's nicht auch?« erwiderte der Professor und richtete sich hoch
auf.
    »Sie ist dem Leben deines Geistes so fremd wie die heilige Elisabet.«
    »Sie hat Verstand,« entgegnete der Professor.
    »Sie steht so sicher und abgeschlossen in ihrem Kreise, sie wird in deiner
Welt nie heimisch werden.«
    »Sie ist tüchtig hier, sie wird es überall sein.«
    »Du verblendest dich,« rief Fritz händeringend. »Willst du in den Frieden
deiner Tage einen Zwiespalt bringen, dessen Ende du nicht absehen kannst? Willst
du ihr selbst die ungeheure Umwandlung zumuten, welche sie aus einer tüchtigen
Wirtin zur Vertrauten deiner rücksichtslosen Forschung machen soll? Darfst du
ihr das sichere Selbstgefühl eines kräftigen Lebens rauben und in ihre Zukunft
den Kampf, die Unsicherheit, den Zweifel hineintragen? Wenn du nicht an dich und
deine Ruhe denkst, so hast du doch die Verpflichtung, ihr Wesen zu ehren.«
    Der Professor legte das heiße Haupt an das Holz des Fensters. Endlich fuhr
er auf: »Wir aber sollen Diener der Wahrheit sein und ihre Verkünder. Und wenn
wir diese Pflicht gegen tausend Fremde üben, gegen Jeden, der uns hören will,
wächst nicht Recht und Pflicht da, wo wir lieben?«
    »Täusche dich nicht,« antwortete Fritz, »du, der feinfühlende Mann, der
jedes Leben in seiner Berechtigung so willig anerkennt, du wärst der Letzte, die
Harmonie ihres Wesens zu stören, wenn du sie nicht für dich begehrtest. Was dich
treibt, ist nicht Pflichtgefühl, sondern Leidenschaft.«
    »Was ich der Fremden nicht zumuten darf
