. Dass er in eine
trostlose Öde starrt, erkennt man auch dann, wenn ihm einmal ein kurzes Lächeln
die Lippen bewegt; man meint zu sehen, dass um sein Auge doch die Furcht hängt
und der starre Ausdruck, welcher dem Menschen bleibt, den einmal tötliches
Grauen geschüttelt.«
    »Das ist traurig,« rief Ilse.
    »Ja, es ist fürchterlich. Und wir begreifen schwer, wie man bei solcher
Trostlosigkeit das Leben ertrug. Die Freude, unter einem Volke mit aufsteigender
Kraft zu leben, hatte damals nicht der Heide, nicht der Christ. Denn das ist
doch das höchste und unzerstörbare Glück des Menschen, wenn er vertrauend auf
das Werdende, mit Hoffnung auf das Zukünftige blicken kann. Und so leben wir.
Viel Schwaches, viel Verdorbenes und Absterbendes umgibt uns, aber dazwischen
wächst eine unendliche Fülle von junger Kraft herauf. Wurzeln und Stamm unseres
Volkslebens sind gesund. Innigkeit in der Familie, Ehrfurcht vor Sitte und
Recht, harte, aber tüchtige Arbeit, kräftige Rührigkeit auf jedem Gebiet. In
vielen Tausenden das Bewusstsein, dass sie ihre Volkskraft steigern, in Millionen,
die noch zurückgeblieben sind, die Empfindung, dass auch sie zu ringen haben nach
unserer Bildung. Das ist uns Modernen Freude und Ehre, das hilft wacker und
stolz machen. Und wir wissen wohl, die frohe Empfindung dieses Besitzes kann
auch uns einmal getrübt werden, denn jeder Nation kommen zeitweise Störungen
ihrer Entwicklung, aber das Gedeihen ist nicht zu ertöten und nicht auf die
Dauer zurückzuhalten, solange diese letzten Bürgschaften der Kraft und
Gesundheit vorhanden sind. Deshalb ist jetzt auch glücklich, wer den Beruf hat,
längst Vergangenes zu durchsuchen, denn er blickt von der gesunden Luft der Höhe
hinab in die dunkle Tiefe.«
    Ilse sah hingerissen in das Antlitz des Mannes; er aber bog sich über die
Garbe, welche zwischen ihm und ihr lehnte, und fuhr begeistert fort: »Jeder von
uns holt aus dem Kreise seiner persönlichen Erfahrungen Urteil und Stimmung,
welche er bei Betrachtung großer Weltverhältnisse verwendet. Blicken Sie um sich
her auf die lachende Sommerlandschaft, dort in der Ferne auf die tätigen
Menschen, und was Ihrem Herzen näher liegt, auf Ihr eigenes Haus und den Kreis,
in dem Sie aufgewachsen sind. So mild das Licht, so warm das Herz, verständig,
gut und treu der Sinn der Menschen, die Sie umgeben. Und denken Sie, welchen
Wert auch für mich hat, das zu sehen und an Ihrer Seite zu genießen. Und wenn
ich über meinen Büchern recht innig empfinde, wie wacker und tüchtig das Leben
meines Volkes ist, welches mich umgibt, so werde ich fortan auch Ihnen zu danken
haben.« Er streckte seine Hand aus über die
