 Haus, das Handwerk und einzelne
große Fakta der Weltgeschichte, vorzüglich Taten und Helden des eben
vorübergedonnerten Befreiungskrieges. Sie zeugten von einem bald gemütlichen,
bald gehobenen Denken nach allen diesen Seiten hin. Ein wenig Humor mischte sich
auch darein, doch trat das Patetische am meisten hervor und musste auch meistens
das bekannte Lächeln erregen. Der wackere Meister Anton hatte so viel Donner und
Blitz, Hagelschlag, Feuersbrünste und Wassersnot erlebt, hatte so viele
Franzosen, Rheinbündler, Preußen, Österreicher und Russen vor seinem Hause
vorüberziehen sehen, dass es kein Wunder war, wenn er dann und wann auch ein
wenig versuchte zu donnern, zu blitzen und totzuschlagen. Mit den Nachbarn
geriet er deshalb nicht in Feindschaft: denn er blieb, was er war, ein »guter
Kerl«, und als er starb, trauerte nicht allein die Frau, der Schwager Grünebaum
und die Base Schlotterbeck; nein, die ganze Kröppelstraße wusste und sagte, dass
ein guter Mann fortgegangen und dass es schade um ihn sei.
    Auf die Geburt eines Sohnes hatte er lange und sehnsüchtig gewartet. Oft
malte er sich aus, was er daraus machen könnte und wollte. Sein ganzes, eifriges
Streben nach Erkenntnis trug er auf ihn über; der Sohn sollte und musste
erreichen, was der Vater nicht erreichen konnte. Die tausend unübersteiglichen
Hindernisse, die das Leben dem Meister Anton in den Weg geworfen hatte, sollten
den Lauf des Unwirrsches der Zukunft nicht aufhalten. Frei sollte er die Bahn
finden, und keine Pforte der Weisheit, keine der Bildung sollte ihm der Mangel,
die Not des Lebens verschließen.
    So träumte Anton, und ein Jahr der Ehe ging nach dem andern hin. Es wurde
eine Tochter geboren, aber sie starb bald nach der Geburt; dann kam wieder eine
lange Zeit nichts, und dann - dann kam endlich Johannes Jakob Nikolaus
Unwirrsch, dessen Eintritt in die Welt uns bereits den Stoff zu mehreren der
vorhergehenden Seiten gab und dessen spätere Leiden, Freuden, Abenteuer und
Fahrten, kurz, dessen Schicksale den größten Teil dieses Buches ausmachen
werden.
    Wir sahen den Schwager und Oheim Grünebaum seinen Pantoffel verlieren, wir
sahen und hörten den Tumult der Weiber, lernten die Frau Tiebus und die Base
Schlotterbeck kennen; wir sahen endlich die beiden Schwäger Unwirrsch und
Grünebaum in der Rumpelkammer sitzen und sahen die Dämmerung in den
ereignisvollen Sonnenuntergang hereinschleichen; noch ein Jahr lebte der Meister
Anton nach der Geburt seines Sohnes, dann starb er an einer Lungenentzündung.
Das Schicksal machte es mit ihm nicht anders als mit so manchem andern: es gab
ihm sein Teil Freude in der Hoffnung und versagte ihm die Erfüllung, welche von
der Hoffnung doch stets allzu weit überflogen wird.
    Johannes schrie tüchtig in der Todesstunde seines Vaters, doch
