, ohne den
Stoff im mindesten zu erschöpfen! Das Licht, das durch die schwebende Glaskugel
auf den Arbeitstisch fällt, ist das Reich phantastischer Geister; es füllt die
Einbildungskraft während der nachdenklichen Arbeit mit wunderlichen Gestalten
und Bildern und gibt den Gedanken eine Färbung, wie sie ihnen keine andere
Lampe, patentiert oder nicht patentiert, verleihen kann. Auf allerlei Reime,
seltsame Märlein, Wundergeschichten und lustige und traurige Weltbegebenheiten
verfällt man dabei, worüber dann die Nachbarn sich verwundern, wenn man sie mit
schwerfälliger Hand zu Papier gebracht hat, und wobei die Frau lacht oder sich
fürchtet, wenn man sie in der Dämmerung mit halblauter Stimme summt. Oder aber
man fängt an, noch tiefer zu grübeln, und »Not« wird uns, »zu entsinnen des
Lebens Anfang«. Immer tiefer sehen wir in die leuchtende Kugel, und in dem Glase
sehen wir das Universum in all seinen Gestalten und Naturen: durch die Pforten
aller Himmel treten wir frei und erkennen sie mit all ihren Sternen und
Elementen; höchste Ahnungen gehen uns auf, und niederschreiben wir, während der
Pastor Primarius Richter von der Kanzel den Pöbel gegen uns aufhetzt und der
Büttel von Görlitz, der uns ins Gefängnis bringen soll, vor der Tür steht:
    »Denn das ist der Ewigkeit Recht und ewig Bestehen, dass sie nur einen Willen
hat. Wenn sie deren zweene hätte, so zerbräche einer den andern und wäre Streit.
Sie steht wohl in viel Kraft und Wundern: aber ihr Leben ist nur bloß allein
die Liebe, aus welcher Licht und Majestät ausgehet. Alle Kreaturen im Himmel
haben einen Willen, und der ist ins Herze Gottes gerichtet und geht in Gottes
Geist, wohl im Centro der Vielheit, im Wachsen und Blühen; aber Gottes Geist ist
das Leben in allen Dingen, Zentrum Naturae gibt Wesen, Majestät und Kraft, und
der Heilige Geist ist Führer.«
    Viel sehen wir in der glänzenden Kugel, durch welche die schlechte Lampe so
armes Licht wirft, dass wir dabei kaum zu Papier bringen können, was wir sahen;
aber nichtsdestoweniger können wir unter das vollendete Manuskriptum schreiben:
    »Geschrieben nach göttlicher Erleuchtung durch Jakob Böhm, sonsten auch
Teutonicus genannt.«
    Wer gegen die Schuster was hat und ihre Trefflichkeit im einzelnen wie im
allgemeinen nicht nach Gebühr zu schätzen weiß, der bleibe mir vom Leibe. Wer
sie gar ihres oft wunderbaren Äußeren wegen, ihrer krummen Beine, ihrer harten,
schwarzen Pfoten, ihrer närrischen Nasen, ihrer ungepflegten Haarwülste halben
naserümpfend verachtet, den möge man mir stehlen; ich werde keine Belohnung um
seine Wiedererlangung aussetzen. Ich schätze und liebe die Schuster, und vor
allen halte ich hoch den wackeren Meister Anton Unwirrsch, den Vater von Hans
Jakob Nikolaus Unwirrsch.
