 konnte Hans Unwirrsch
nichts mitbringen, welchem Moses Freudenstein nicht eine andere Färbung hätte
gehen können; und die Worte des Vaters Samuel gewannen bald ein ebenso großes
Gewicht wie die der Lehrer in der Bürgerschule. In diesem Trödelladen wuchs Hans
über diese Schule schnell hinaus.
    Der Vater Freudenstein hatte eine gewaltige Achtung vor den Wissenschaften,
eine fast ebenso große Achtung wie weiland der arme Anton Unwirrsch. Doch wenn
dieser sie um ihrer selbst willen einst verehrte, so schätzte jener sie, weil er
darin den Talisman glaubte gefunden zu haben, der zugleich mit dem Gelde ein
Schild und eine Waffe sei für sein immer noch ob seiner und der Väter Sünden so
vielfach bedrängtes und zurückgesetztes Volk. Das Leben, welches dem Manne so
arg mitgespielt hatte, hatte ihm immer von neuem diese Lehre vor die Augen
gerückt, und wie der Meister Anton beschloss er, seinen Sohn mit diesen mächtigen
Verteidigungs- und Angriffswaffen genügend auszurüsten. Wie Anton Unwirrsch
wollte er seinem Sohn den Weg durch die Welt freier machen, als er selbst ihn
gefunden hatte: wie Anton Unwirrsch lebte er seit der Geburt seines Kindes nur
in der Zukunft desselben.
    »Lerne, dass dir schwitzet der Kopf, Moses«, sagte er, sobald der Knabe nur
irgend imstande war, ihn zu verstehen. »Wenn se dir hinhalten an Stück Kuchen
und an Buch, so lass den Kuchen und nimm das Buch. Wenn du was kannst, kannste
dich wehren, brauchste dich nicht lassen zu treten, kannste an großer Mann
werden und brauchst dich zu fürchten vor keinem, und den Kuchen wirst du auch
dazu bekommen. Se werden dir ihn geben müssen, ob se wollen oder nicht.«
    Moses Freudenstein öffnete bei solcher Ermahnung die funkelnden Augen sehr
weit und kniff sie dann zu und fragte wohl:
    »Und ich brauch, wenn ich lern, mich nicht lassen zu schimpfen und schlagen
in der Gass? Ich kann's ihnen heimzahlen, was sie mir tun, brauch mich nicht zu
verkriechen vor ihnen?«
    »Wenn du hast Kunst und wenn du hast Geld, kannst du sie stecken alle in den
Sack. Und wenn du jetzt sitzest im Winkel, kannst du denken: du bist die Katz,
und die Mäus tanzen vor dir und pfeifen dir zum Hohn. Lass sie pfeifen und lern;
wenn der jungen Katz sind gewachsen die Krallen, kann sie spielen mit der Maus,
und die Maus hat das Schlimmste davon.«
    »So will ich sitzen im Dunkeln und will lernen alles, was es gibt, und wenn
ich alles weiß und habe das Geld, so will ich es ihnen in der Gasse vergelten,
was sie mir tun.«
    »Ich will dir helfen, zu kriegen das Geld!
