; Ihr habt sonst Kleinliches und Nichtiges gesehen und erfahren; der Tod
hat Euch die letzten Verwandten genommen, und was der eine Mensch leicht trägt
und abschüttelt, das wird dem andern Menschen zu einer schweren Last, die ihn zu
Boden drückt und die er nicht von sich werfen kann. Du hast das Recht, betrübt
zu sein, Johannes, obgleich du nicht von den Schlachtfeldern der Menschheit
kommst und nicht von dem Grabe der Braut; - - soll ich nun von dem letzten
Sehnen, in welchem im Grunde jeglicher Hunger wurzelt, zu dir reden?«
    Hans konnte nicht sprechen; er nickte nur und hielt in seiner Hand die Hand
des Greises, aber der Pastor Josias Tillenius, der so schweren Kampf mit der
Bibliothek seiner Vorgänger im geistlichen Amt zu Grunzenow kämpfte und doch so
viel, viel mehr wusste, als in all den halbvermoderten Scharteken zu finden war -
der Pastor Tillenius konnte seine Rede nicht zum Schluss bringen. Es klopfte
jemand hastig an das Fenster; Grips mit seiner Laterne stand draußen im Schnee
und kalten Abendwind und entbot beide geistliche Herren zum Gutshofe mit dem
Anfügen, es müsse wohl etwas Absonderliches passiert sein in der Zeitung, denn
der Herr Oberst und der Herr Leutnant seien in merkwürdiger Emotion, seit der
Christof mit ihr von Freudenstadt gekommen sei. Seit der Geschichte von Anno
fünfzehn habe er - Grips - so etwas nicht erlebt.
    Fragend sahen sich Hans und der Pastor von Grunzenow an.
    »Was mag es sein? Was ist geschehen?«
    »Es soll mich wundern«, meinte Ehrn Tillenius. »Die beiden alten Freunde
treiben in ihrer Einsamkeit eine seltsame Alte-Soldaten-Politik, es wird
jedenfalls irgendeine kriegerische Wolke an ihrem Horizont aufgestiegen sein. Es
ist nur schade, dass die Zeitung gewöhnlich erst dann nach Grunzenow gelangt,
wenn die Welt um acht oder vierzehn Tage älter und klüger geworden ist. Lassen
Sie uns aber gehen, Johannes; ich bin gerüstet, und Geduld gehört im Grunde
nicht zu den Haupttugenden der beiden Veteranen da oben.«
    Mit der Laterne schritt Grips gravitätisch den geistlichen Herren voran
durch den Schnee. Es war ziemlich stürmisch, die See brauste gewaltig, der
Schnee stäubte um die Wanderer und um die Hütten des Dorfes - es war eine böse
Nacht geworden. Hans befand sich in sehr erregter Stimmung, er konnte nicht
glauben, dass es eine politische Neuigkeit sei, die auf Schloss Grunzenow
angelangt war. Er hatte ein dumpfes Vorgefühl, dass etwas sich ereignet haben
musste, was auch von tief eingreifender Wirkung auf sein eigenes Leben war.
Allerlei verworrene Gedanken und Fragen schossen ihm durch den Sinn, während er
den alten Pastor Tillenius sorgsam durch den Schnee führte; aber den Gedanken,
dass eine Nachricht aus
